10. Multihull Cup Mallorca
Autor: Johannes Frost
Mit 118 Teilnehmern aus vielen Nationen verteilt auf 16 großen und kleineren Fahrtenkatamaranen war die Jubiläumsregatta von Astrid Haupt (Multihull Charter) auch in diesem Herbst die Topveranstaltung für Katamaransegler im Mittelmeer.
Ausgehend von Palma de Mallorca werden in einer Woche je nach Wind und Wetter interessante Ziele der Balearen angelaufen. So werden jedes Jahr in der Nachsaison schöne Buchten und Inseln aber auch geschichtsträchtige Häfen von dieser großen Flotte der Katamarane aufgesucht. Aber eigentlich steht das Katamaransegeln im Vordergrund, und das unter anspruchsvollen Wettkampfbedingungen. Regattaleiter Stephan Hüttermann, Inhaber der BaltiCat-Werft, einer auf den Bau von Fahrtenkatamaranen spezialisierten Werftbetriebs im Norden Deutschlands legte auch in diesem Jahr spannende Kurse für die Teilnehmer aus. So wurden neben einer Langstrecken- Wettfahrt auch Up-and-Downs, Dreieckskurse und taktisch hoch anspruchsvolle Rallyes zwischen 15 kleinen Inseln gesegelt. In diesem Jahr war es besonders interessant, weil etliche Meister aus verschiedenen Bootsklassen (Mono), Katamaranspeziallisten und auch Skipper mit über dutzend Atlantiküberquerungen mit am Start waren. So waren in Österreich erfolgreiche Segler in diesem hochqualifizierten Feld plötzlich nur im Mittelfeld der Rangliste anzutreffen, und brillante Profiskipper aus Lettland auch nur ein wenig besser. Die seglerische Leistungsdichte war jedenfalls bei dieser Fun-Regatta erstaunlich. Sicher auch ein Beweis dafür, dass sich eine Teilnahme mittlerweile in der Szene als recht lohnenswert herumgesprochen hat. So wurde z.B. Urgestein Bertram Hartmann, der schon 9 Mal bei dieser Veranstaltung dabei und selbst langjähriger Eigner eines 42 Fuß Katamarans war diesmal mit seiner Bahia 46 gnadenlos nach hinten durchgereicht.
Die kleine Flotte von Katamaranen präsentierte dem potentiell Kaufinteressierten mehr Bootstypen schwimmend als auf mancher Bootsausstellung anzutreffen sind. Dabei waren von Lagoon die 380er, 410er, 420er, 47, von Fountaine Pajot die Mahé 36, Athena38, Lavezzi 40, Belize 43 und die Bahia 46. Außerdem am Start noch eine Outremer 45 mit Schwertern, eine Voyage 440 und eine BaltiCat 42. Der Clou ist, dass alle Schiffe nicht nur besichtigt und inspiziert werden können, sondern vor Ort auch sofort Vor- und Nachteile fachsimpelnd bis spät in die Nacht unter wirklichen Fachleuten diskutiert werden.
Am 14. Oktober, die Sonne ermöglichte vernünftige 23 Grad, wurde jedenfalls an den Charterstegen in ganz Palma noch kräftig geschraubt, Riggs getrimmt, zusätzliche Hilfsmittel angebracht, Latten ausgetauscht und Computer- und Wetterprogramme upgedatet. So tauchten u.a. selbst gebaute und mitgebrachte zusammenlegbare Spibäume aus den Taschen an Deck auf, Taucher untersuchten das Unterwasserschiff (als Schaber dienten auch schon mal ein Pfannenwender) und jedes Segel wurde akribisch mit Windspionen ausgestattet. Die große Willkommensveranstaltung in dem wieder ausgezeichnet ausgesuchten Restaurant am Abend beinhaltete auch gleich die erste und letzte Wettfahrtbesprechung in drei Sprachen, wobei wir das schweizerische und österreichische Mal zur deutschen Sprache dazuzählen. Die Letten hatten sogar eine Dolmetscherin mitgebracht. Aber auch z.B. 2 Bauchtänzerinnen (die sollten die anderen Skipper wohl vom rechten (Regatta-) Kurs abbringen) und einige unglaublich muskelbepackte „Grinder“. Da bekam selbst seit Jahren bekannter, mit 125 kg Muskelmasse bestückter Genuawinschmann, Spitzname „Pommes“, („wozu brauch ich noch ne Winsch?“) aus der Crew von Skipper Ralf Hansen große Augen.
Der 1. Segeltag am Sonntag brachte die Flotte nach Ibiza, ohne Wettfahrt, damit die Crews ihre Boote noch besser kennenlernen konnten oder um sich von den häuslichen Stresstagen zu erholen.
Tags darauf wurde es aber ernst, als die Regattaleitung zur ersten Dreieckswettfahrt und zu einem weiteren Up-and-Downkurs startete. In der ersten Wettfahrt fuhr die sehr eingespielte Crew um Skipper Ralf Hansen und Catfreak Volker Henning aus Sylt mit ihrer gecharterten BaltiCat 42 nicht nur einen Nullstart sondern überrundete sogar die Lagoon 420 nach dem ersten Dreieck. Als 2. Boot ging die gut aufgelegte Crew um Eigner! Markus Wiegand auf der Lagoon 47 vor der Outremer 45 mit Willi Krebser (Eigner einer in Griechenland liegenden BaltiCat 40) durchs Ziel. Auch in der nächsten Wettfahrt dominierte die BaltiCat 42 das Feld nach belieben, obwohl dieses mal schon über die Hälfte der Flotte einen Nullstart hinlegte. Jetzt konnte die Outremer 45 als vermeintlich schnellstes Schiff die Lagoon 47 knapp hinter sich lassen auf Platz 3 verweisen.
Am ersten Regattaabend bei der obligatorischen Beachparty mit Snacks und viel Rotwein wurde denn auch schon heftig über Manöver, Boote und Taktiken gefachsimpelt. Später stimmte eine immer größere werdende Anzahl von Seglern lauthals zu den von Christophs intonierten wunderschönen Gitarrenklängen. Die letzten Strandgäste wurden so um 3 Uhr gesehen – es war nicht nur vom Wetter her ein gelungener Start. Am Dienstag legten bei der kurzen 1.Wettfahrt und gutem Wind fast alle einen perfekten Start hin. Es ist schon toll wenn so viele Schiffe gleichzeitig über die knapp ausreichende Startlinie rauschen und bei den folgenden Kreuzduellen ständig auf Tuchfühlung gefahren wird. Leider rauschte eine Schnellfähre mitten durchs Feld und zwang 2 Boote zu Lastminute-Manövern – da gabs noch mehr Adrenalinschub als sonst schon vorhanden war. Jetzt zeigte Mischa Kellner mit einem 3. Platz (gesegelt) wie Österreicher segeln können. Als erstes Boot konnte die Outremer 45 ihr Potential zeigen. Allerdings wurde aus dem gesegeltem 1. nur ein 7. Platz nach berechneter Zeit, denn erstens wurde ein Gennaker gesetzt (welches in die Berechnung eingeht) und zweitens waren die Abstände zwischen den Booten unglaublich eng.
Bei bis zu 24 Knoten Wind folgte die erste kleine Langstreckenwettfahrt auf das freie Mittelmeer hinaus. Unser Topsegler aus Lettland Edgars sowie Willi von der Outremer legten gleich bei dem Vor-dem-Wind-Start einen ordentlichen Frühstart hin, der allerdings nicht bestraft wurde. Dieses wurde sofort durch die Regattaleitung entschieden und per Funk mitgeteilt um ein Chaos oder gar Unfälle zu vermeiden. Zu dicht war das Gedränge am Start. Auf der nachfolgenden langen Kreuz erschwerten schon richtige große Wellen und ordentliche Böen den Teilnehmern das Vorankommen. An der Wendetonne führte auch die Outremer knapp vor dem BaltiCat wobei sich beide einen zähen Luvkampf lieferten. Als die Crew auf der Outremer Ihren Gennaker zog fuhren Sie dann aber auf den verbliebenen 10 Meilen eine Vorsprung von über anderthalb Minuten heraus. Zu wenig natürlich, um die BaltiCat nach berechneter Zeit zu schlagen, denn deren Skipper Ralf Hansen verzichtete auf den Spi nicht nur aus seemännischen Gründen. Auch auf der Lagoon 47 wurde der Gennaker gesetzt und Surfs von 13 Knoten erreicht, trotzdem kamen die beiden super gesegelten Belize 43 knapp vor der Lagoon ins Ziel.
In der folgenden Nacht zog eine Gewitterböe mit über 52 Knoten Wind über die an Moorings in Espalmador liegenden Katamarane. Für den zwar aufgewickelten aber noch angetoppten Gennaker von Markus auf der Lagoon 47 war das zuviel und so lösten sich 5000 Euro in Luft auf. Skipper Markus , Regattaleiter Stephan Hüttermann mit Frau Jutta hingen am Segel und kappten was möglich war, damit nicht auch noch das Rigg beschädigt wurde. Gott sei Dank hielt wenigstens die Mooring.
Die Langstrecke über 75 Meilen zurück nach Cabrera, deren Start in der Morgendämmerung bei nur 8 Knoten Wind war, wurde nach 35 Meilen mit einem imaginären Ziel nach GPS Stand gezeitet. Danach war freies Segeln angesagt und jetzt endlich zeigte auch der BaltiCat einmal seinen wunderschönen Spi. Dieser Stand aber nur eine Stunde wirklich gut und beim Bergen gab es dann einen Totalschaden. Das 2. teure Segel innerhalb von 12 Stunden machte die Fun-Regatta langsam für einige zum sehr teuren Event. Cabrera, die naturgeschützte wunderschöne Insel im Süden von Mallorca, wurde am Abend ausgiebig zum Klettern und Wandern, Surfen und Schwimmen sowie zum Party“ zappeln“ und Treffen in der gemütlichen kleinen Taverne genutzt. Ach war das wieder schön. Überall Gewitter und Regen nur über der Insel schien ausgiebig die Sonne. Die letzten 2 Wettfahrten wurden zwischen den vielen Inseln des Cabreraarchipels gefahren. Bei Gewitterböen, drehenden Winden, Strömung und engsten Startlinien wurden sehr spannende Regatten durchgeführt. Die BaltiCat, klar in der Wertung führend und deshalb ohne Mitleid der anderen Teilnehmer, segelte einmal in den Windschatten einer Insel, so das die gesamte Konkurrenz mit Abstand an ihr vorbeiziehen konnte. Auch die Outremer versegelte sich einmal völlig und wollte eine Insel falsch herum umrunden. Mischa Kellner auf der Belize kreuzte einmal auf 20 Meter gefährlich dicht an eine Insel heran und bekam den Kat wegen Winddrehern und der Wellenreflexion nicht mehr durch den Wind. Bei einem Cat riss das Groß bei gut 24 Knoten Wind an der Kreuz, es wurde schnell gerefft und dennoch fuhr Jörg Albin auf der Lagoon 380 großartig auf den 3. Platz. Auf dem Bild mit dem fliegenden Schiff seht ihr die Lagoon 47, die in der dieser Wettfahrt sogar First-Ship home war. So macht Katsegeln Spaß! Dies waren die schönsten Segeltage in meinem Leben und wir kommen sicherlich nächstes Jahr wieder!
Fazit: Alle Wettfahrten gingen ohne jegliche Schrammen dank der umsichtigen Skipper über die Bahnen. Zu den größeren Blessuren zählten leider dieses Mal 3 teils schwere Bänderdehnungen, ein gequetschter Daumen sowie 2 große zerstörte Leichtwindsegel.
Die BaltiCat 42 wurde exzellent gesegelt und errang mit einem 2. Platz als Streichergebnis klar den 1. Platz. Dieser Allrounder-Kat segelte bei leichten Winden allen weit voraus und zeigte auch bei viel Wind auf allen Kursen wie gut Katamarane segeln können. Die schnelle Outremer 45 segelte nur vorweg wenn der Gennaker zum Einsatz kam. Durch das Rating errang sie trotz der 4 Tagessiege nur den 8. Rang. Trotzdem ist sie ein super segelnder Cat mit vielen Trimmmöglichkeiten. Der 2. Platz ging an die Lagoon 47, eine ältere noch gut segelnde Lagoon-Konstruktion, die allerdings auch ein höheres Rigg hatte und alleine 5 Leichtwindsegel mit sich führte. Die recht neue Lagoon 420 mit Hybridantrieb segelte nicht nur allen deutlich hinterher, sondern ist eigentlich zum Segeln eher bedingt spaßfördernd. Mit diesem Schiff sollen wohl eher Motorbootfahrer ans Segeln herangeführt werden oder Familien einen Urlaub auf dem Wasser genießen können. Als Partyplattform verdient das Boot aber die Note 1.
Hervorzuheben ist sicherlich die lettische Skipperin Sigita Jansone, die mit ihrer Lagoon 380 und den 4 muskelbepackten Herren ganz souverän in die Spitzengruppe fuhr, auch wenn sie vielleicht auf internationalen Regatten noch weiter vorn zu fi nden ist. Die schon länger gebauten anderen Lagoon 410 und 380 und die Lavezzi und Athena sind gute Allrounder und können gut gesegelt durchaus ganz vorne mitsegeln (auch nach Rating!). Die bestens gesegelten Belizes waren immer ganz vorne auch bei viel Wind sehr gut dabei. Die beiden Bahias brauchen schon eine ordentliche Mütze Wind, dann aber und gerade in der Mittelmeerwelle zeigen sie sich von ihrer besten Seite. Bei wenig Wind kommt im Vergleich zu den anderen aber doch schnell Frust auf. Die Voyage 440 sieht auf dem Wasser aus wie ein Maserati, segelt aber an der Kreuz wenig Höhe und benötigt unbedingt den Gennaker auf anderen Kursen. Das Rating ermöglicht jeder Crew eine „fast“ faire Chance auf gute Plätze. So waren in den letzten Jahren immer wieder die Boote vorne, die auch von erfahrener Crew bestens gesegelt worden sind. 2006 siegte eine Lavezzi, davor eine Lagoon 410 und davor eine Outremer. Nur die Bahias und die Voyage hatten nie wirklich eine reale Chance auf die ersten 3 Plätze. Nach langem Abwägen wurde in diesem Jahr das Gewicht etwas deutlicher im Rating betont, was allerdings nicht wirklich viel änderte. Die BaltiCat hätte auch mit 5 Tonnen Gewicht (real 7,2 t) im Rating die Wettfahrten gewonnen.
Für nächstes Jahr haben sich mit der Nautitech 44 und einer nagelneuen BaltiCat 43 weitere interessante Boote angesagt. Wir hoffen auf noch spannendere Wettfahrten. Nächster MC Cup: 18.-25.10.2008 ab Palma de Mallorca. Anmeldungen ausschließlich beim Veranstalter Multihull Charter Astrid Haupt, Telefon +49 2331 334895 www.multihull-charter.com; info@multihull-charter.com Weitere Infos zu den Regatten oder auch zum Rating beim Regattaleiter Stephan Hüttermann, Telefon +49 4642 5505 www.balticat.de; balticat.catamarane@t-online.de








