BootsVERkäufer aufgepasst!
von Markus Frey
Wir, das heisst Mony, Henry und ich, entschlossen uns zur Durchführung eines längeren Segeltrips. Für dieses Vorhaben wollten wir uns einen Catamaran zulegen, da uns unser Dragonfly MK1 für inzwischen 3 Personen doch etwas "beengt" erschien.
Interessiert durchsuchten wir alle einschlägigen Internet-Magazine (ja auch die Australischen) nach einem passenden segelnden Untersatz, der sowohl unseren finanziellen Möglichkeiten als auch unseren Bedingungen ( > 10m, genügend Lebensraum, gewisse Ästhetik) genügen sollte. Hier einige "Highlights" unseres Bootskaufes.
Unser "erstes" besichtigtes Objekt sollte ein "Jeffcat 32" sein. Liegeplatz in Spanien (Rosas). Da uns die Costa Brava sowieso gefällt, erschien es uns als eine gute Idee, das Boot an Ort und Stelle zu besichtigen. Wir sprachen mit einem "gegenüber", der als Kontakt des Vekäufers angegeben war. Dieser versicherte uns, dass das Boot im Wasser läge und er jederzeit vor Ort wäre. Bilder und Informationen über das Boot hatten wir nur in Form von Zeitungsausschnitten, einigen ? unscharfen? schwarzweiss-Kopien und dem Bootstest einer französischen Zeitschrift.
In Rosas angekommen stellte sich heraus, dass der Kontakt erstens der Vater des Besitzers ist und dieser zweitens das Boot unmöglich aus dem Hafen bewegen könne. Bei dem Boot angekommen, stellte sich heraus, dass es um ein Jeffcat 305 handelt, also mitnichten um den eleganten schnellen Jeffcat 32, der zwar aus derselben Werft aber aus einer gänzlich anderen Feder stammt. Auf den Bildern war das noch nicht zu erkennen. Bootsverkäufer! Ihr solltet doch wenigstens wissen, welchen Bootstyp Ihr segelt?
Als "Ausgleich" zu dieser Pleite fuhren wir in Südfrankreich an der "Catana" Werft als auch bei "Outremer" (La Gand Motte) vorbei, auch wenn unsere Finanzen den Kauf sowohl für eine Catana als auch für eine Outremer nicht erlauben würde. Beeindruckend war es schon, dass mindestens 12 Outremer, davon auch einige zum Verkauf stehende im Hafen sanft und lockend vor sich hinschaukelten. Mit großem Interesse verfolgen wir sämtliche auf dem Markt angebotene Lousiane von Fontaine Pajot. Vor ca. 15 Jahren sind wir auf einer Lousiane mitgesegelt - und sie hatte uns zugesagt. Die erste "Interessante" war zu einem günstigen Preis in der Karibik zu haben (Dominikanischen Republik). Hier waren zahlreiche Bilder vom italienischen Besitzer im Internet verfügbar. Ein erster Kontakt war vielversprechend, obwohl sich soeben Interessenten an Bord befanden sicherte er uns zu, wenn diese das Boot nicht kaufen würden, wären wir ?an der Reihe?.
Tatsächlich bekamen wir Nachricht, das Boot ("Catastrophe") stünde noch zum Verkauf. Schnell einen Termin abgemacht, Henry (unseren Sohn) bei den Großeltern untergebracht, Urlaub genommen, Flug gebucht. Erste Schwierigkeiten vor Ort. Das Boot haben wir sofort gefunden, nur der Eigner, der war nicht da! Schwierigkeiten beim Zoll im Abflughafen, er käme mit der nächsten Maschine. Und -ihr könnte es euch denken ? er kam nicht. Jeden Tag hatte er eine andere Begründung, so dass wir wohl das Boot ausführlich besichtigen konnten (Schlüssel war vor Ort), doch keinen Probeschlag machen.
Nach ? zugegeben kurzer Diskussion mit meiner Frau- sagten wir trotzdem "kaufen"! Auf der Bootsausstellung hatten wir uns schon über zu erwartende Schwierigkeiten bezüglich Mwst, Zoll und ähnlichem erkundigt. Doch was kam? Nach 6 Wochen herumgedruchse fand sich der Verkäufer bereit uns mitzuteilen, dass er das Boot doch nicht verkaufen wolle! Verkäufer bitte seid euch doch VORHER im klaren, ob Ihr euer "Schätzchen" hergeben wollt. Insbesondere wenn die Interessenten eine weite Anreise in Kauf nehmen...
Doch so schnell wollten wir nicht aufgeben. Wieder fanden wir 2 Lousianes im Internet und in der "Voile". Schon mit etwas Erfahrung (und den Sprachkenntnissen meiner Frau) drängten wir darauf, dass die Eigner vor Ort wären und wir das Boot auf jeden Fall probesegeln wollten.
Wie gehabt, zwei Termine ausgemacht, Urlaub genommen, Henry zu den Großeltern... -
Der erste Termin war im Trockenhafen "Port Napoleon", übrigends ein günstiges Winterlager, an der Mündung der Rhone. Auch die Lousiane hatten wir schnell gefunden ("Alchemiste"). Noch war es früh, der Eigner war noch nicht da. Doch das Boot sah beileibe nicht aus, als ob es ?segelbar? wäre. Eigentlich sah es eher so aus, als wenn es "etwas hastig" an Land gestellt worden wäre. Das Unterwasserschiff war nicht gereinigt, die Schwerter: eines angebrochen, das andere stark beschädigt. Kein Motor, die (Motor)Halterung schief und lose. Das Deck "a mess", der Eigner hatte alles Stehen und Liegengelassen und sich in den Winterurlaub begeben.
Einige Minuten später fuhr ein Auto vor. Es war nicht der Eigner, der hatte einen Freund geschickt. Mit Schlüssel. Allerdings ohne Motor und Segel. Wir schauten uns das Boot trotz der schlechten Vorzeichen auch von Innen an. Zahlreiche Haarrisse an den Schwimmerböden und an anderen "belasteten" Stellen. Wasser im Schiff. Das war also ein Schiff in "gutem Zustand": segelfertig, neuer Motor, gute Segel? Kein Wunder, dass sich der Eigner nicht blicken liess. Doch Verkäufer! Klar erwartet man, dass den Zustand des angebotenen Bootes ?ein wenig? schön geredet wird. Doch bitte im Rahmen!
Sodann ruhte unsere vorerst letzte Hoffnung bei unserem zweiten Termin, Mit einem Abstecher in La Rochelle fuhren wir in die Bretagne (Golf de Morbihan). Und es gab es doch. Eine schön anzuschauende, segelfertige Lousiane, guter Zustand, sich sanft im ablaufenden Wasser wiegend. Der Besitzer vor Ort, kundig, segelbereit!!! Um es kurz zu machen. Wir haben uns ein wenig geziert, danach den "Acte du vente" unterschrieben und nach 2 Monaten war es das "Unsrige" und hört nun auf den Namen "Bellabianca". Verkäufer! es geht doch!
Noch ein paar Tips zum Abschluss. Vielleicht habt Ihr die "neue" (Steuer) Gesetzgebung verfolgt, solltet Ihr euch mit Bootskauf im Ausland beschäftigen:
- In Frankreich ist de MwSt-Nachweis Behördlicherseits aufbewahrt, auf Anfrage gibt die Behörde eine Bescheinigung über Bezahlung der MwSt (oder VAT) heraus.
- nichteuropäische Flaggen dürfen nun in Europa bis zu einem Jahr ohne Zolle entrichten zu müssen segeln (bisher ½ Jahr), allerdings mit besonderen Hindernissen in Griechenland (besondere Steuer)
- theoretisch muss ein sich länger als 3 Jahre im (Nichteuropäischen)Ausland befindliches Boot (z.B. nach einer Weltumsegelung) bei der Rückkehr in die EU MwSt. bezahlen. Verlangen kann dies allerdings nur das erste Land nach der Rückkehr (bisher selten durchgesetzt, es sind einige Fälle in Spanien bekannt geworden)
- Sollte man Liegeplatz Spanien anvisieren: Vorsicht! in einigen Bezirken (z.B. Mallorca) wird eine Vermögenssteuer fällig, wenn das Boot länger als ½ Jahr ununterbrochen (fest) liegt, das heisst nicht in internationale Gewässer (oder ins nicht spanische Ausland) gesegelt wird - analog der spanischen Ferienhaus-Regelung.





