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Bora Bora

So erlebte es Karl-Heinz Kukuck

Keine Sorge, dies ist nicht die 999zigste Dokumentation zu Pearl Harbour. Es geht nur um eine kleine Segeltour in der Inselwelt vor Split. So ganz neu waren die hinzugewonnen Erfahrungen nicht. Man kann eher sagen, das, was in der Tiefe schlummerte, wurde detailliert neu aufgelegt. Es geht um das viel besprochene Thema, Frauen an Bord und um Hilfeleistung von außen, zum Beispiel beim Anlegen.

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Die Besatzung bestand aus vier Frauen und vier Männern. Zwei Männer waren richtige Segler, einer ein erfahrener Mitsegler, der auch mal ein Tau in die Hand nimmt. Der vierte Mann, mein Schwiegersohn, vom Erscheinungsbild ein Buchhalter-BWLer, hatte noch kein Schiff aus der Nähe gesehen. Er bekam natürlich die Bordkasse. Er war die Überraschung der Woche. Er hat nicht nur schnell verstanden, dass die Buchführung der Bordkasse nicht unbedingt einer Prüfung durchs Finanzamt standhalten muss. Er ist auch in dieser Zeit zu einem engagierten Segler mutiert. Die Damen waren zur Einen eine erfahrene Mitseglerin und zu Dreien ohne jede Segelerfahrungen. Unser Schiff war eine Lagoon 380. Es hätte ein 40 Footer sein sollen. Leider hat sich das durch unglückliche Verchartererkonstellationen schließlich so dargestellt. Für meine Auffassung war das Schiff mit 8 Personen leicht überbevölkert.

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Der Reiseführer, Marco Polo, mit dem großen Namen, allerdings wenig maritimer Ausrichtung, weist zwei Boras pro Jahr aus. Zum Glück haben wir die Jahresration zum Anfang und Ende der Woche erhalten. Dazwischen hatten wir null Wind. Das Segeln in den Boras war segeltechnisch super, aber feucht, durch überkommende See und sehr kalt, wie das Foto gut demonstriert. An den Flautentagen haben wir halt das Kreuzfahrtschiff gemacht.

Der Besuch der Städte Trogir, Hvar, Korcula, Stari Grad, und Milna ist sehr lohnend. Deren Geschichte reicht bis 500v.Ch. zurück. Sie haben teilweise noch intakte Stadtmauern und Stadttore. Gutes Essen, mit viel Fisch und auch andere Ingredienzien, ist zu deutschem Preisniveau, reichlich im Angebot.

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Wir sind drei Badebuchten angelaufen, mit nur begrenztem Gefallen. Die Wassertemperatur war mit ca. 16°C nur für die Harten. Der Ankergrund war meist unbrauchbarer Felsen. Die Wassertiefe fiel vom Ufer sehr steil ab. Die Wasserfarbe war meist bei schwarz, es fehlte der hübsche Meeresgrund. Die neue Erfahrung von ein oder zwei Frauen an Bord, die durchaus schön sein kann, zu deren vier, war eine Herausforderung an den Skipper. Der Wasserverbrauch war in einem dramatischen Rotbereich. Ich hätte nicht geglaubt, dass die Pumpe das bringt. Es wurde an Bord ununterbrochen geredet. Ich werde drei Jahre brauchen um das Wort Dusche so oft zu hören, wie in der Woche. Hinzu kamen die detaillierten dramatischen Schilderungen, wenn beim Duschen im Hafen, unverhohlen das warme Wasser weg bleibt.

Als Skipper habe ich mich bemüht, den zart besaiteten, überzogenen Wahrnehmungen der Frauen Rechnung zu tragen und mich ausschließlich mit sorgfältig gewählten, ruhig und entspannt gesprochenen Worten zu äußern. Hat aber nichts genützt, den Damen war das nicht sanft genug. Ein Beispiel, das eine Welle schlug. Beim Ablegen und meiner wiederholt unbeantworteten Anfrage, ob der Festmacher los sei, musste ich nach vorn eilen um festzustellen, dass er los war, aber im Wasser hing. Meine Bitte, das Tau doch möglichst schnell einzuholen, führte doch zum Eklat mit Androhung das Schiff zu verlassen. Uff, zum Glück nur das, keine Meuterei mit feindlicher Übernahme des Schiffes.

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Bei der am Abend, von den Damen initiierten Manöverkritik, gegen den Skipper, bezüglich dieses Vorfalls, ging es dann zur Sache. Die Dame hatte sich ungerecht behandelt gefühlt. Der Skipper, der sich diesen Quatsch erst noch in Erinnerung zurückführte, stellte die Frage: „Habe ich dich angebrüllt?“. Antwort: „Nein, aber es hatte einen hektischen Unterton“. Die anderen Männer, Verräter, lehnten sich genüsslich zurück. „Lass den mal mit den Frauen machen.“ Als Vorbild wurden mir die Anlegemanöver, einer Flotte von Regattabooten, die ohne Worte vorbildlich an- und ablegten, vorgehalten. Als braver Kavalier habe ich die Anmerkung unterlassen, „diese Skipper haben auch sechs durchtrainierte Regattisten an Bord, und ich seglerische Hühner“. Meine Worte, „ja, das Tau war los, was ich aber erst nach meinem Spurt erkennen konnte und dass ein im Wasser hängendes Tau, sehr gern von einem Propeller, der sich da hinten irgendwo dreht, gegriffen wird und dass das Ablegen aus einem dicken Paket, ohne Kratzer, eine gewisse konzertierte Aktion ist“, ging in dem allgemeinem Geplapper unter. Die pfiffige Aktion, das Schiff aus der Hafenecke und dem Paket von Regattaschiffen herauszulaborieren, hat bei den Regattisten Anerkennung hervorgerufen. Meine Damen haben das aus mangelnder Segelkenntnis gar nicht realisiert.

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Die Damen brummelten an den nächsten Tagen noch vor sich hin, stellten alle Sinne auf Empfang, ob sich da noch weitere Verfehlungen seitens des Skippers einstellen. Zum Glück haben die ersprießlichen Landgänge diese Gedanken etwas verflüchtigt. Ich habe die Flautentage genutzt und mir Gedanken zum Verhältnis Schiffführer zur Crew gemacht. Üblich zeichne ich mir ein Betrachtungsfeld, indem ich Grenzwerte definiere.

Ein Grenzwert ist das Regattaschiff. Auf ihm wird der Skipper akzeptiert und alle haben eine Aufgabe. Die Worte heißen, „ Wie gehen wir taktisch vor, oder Prost“. Als zweiten Grenzwert sehe ich mal ein Schulschiff. Wenn einer der Kadetten den Käpten anmacht, jagt der die ganze Mannschaft vom Steven zum Stern. Wer als letzter ankommt, putzt die Latrinen. Als dritter Grenzwert fiel mir ein Touristen-Zweimaster ein, der neben uns lag. An Bord wurde eine Gruppe sechzehnjähriger Mädchen herum geschippert. Es dudelten den ganzen Tag die Sommerhits und es wippten die Bikinihöschen. Die Mädels interessierte der Kapitän nicht und umgekehrt. Der Kapitän hatte sowieso einen großen Abstand zu der Mädelchenmannschaft.

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Meine Situation war nun irgendwo oberhalb der Bikinimädel. Ich hatte keinen großen Abstand zur Mannschaft, konnte die Widersacherinnen weder zum Latrine putzen abkommandieren, noch Kielholen oder übers Knie legen. Da helfen nur süße Worte und Diplomatie. Zum Ende war dann alles wieder gut. Wir hatten am vorletzten Tag eine besagte Bora mit 30 bis 45 kn Wind. Da konnte der Skipper durch die Wellen knattern und die Damen bekamen immer mal eine kalte Dusche ab. Irgendwie hatte diese Art Dusche allen gut getan. Nun waren da noch die Erfahrungen mit den Helfern am Kai. Der erste Akt lief mit dem Hafenmeisterassistent. Er wollte uns mit wildem Gefuchtel mit der Mooringholeleine an eine Position peitschen, die mir nicht gefiel. Ich habe mich mit meiner Anlegeposition durchgesetzt, aber er hat uns die Leine in die Schraube lanciert, vielleicht bewusst. Zur großen Überraschung ging mein Schwiegersohn Peter, mit einem Messer bewaffnet, ins Wasser und schnitt Schraube und Welle frei.

Darauf gab es eine Ansprache des Skippers an seine Crew, zum besseren Anlegen: „Wenn es uns gelingt Helfer zurück zu weisen, fahre ich achterlich an den Kai, Peter und nur Peter springt rüber, nimmt die achterlichen Festmacher an und belegt. Dann stabilisieren wir das Schiff mit leicht nach vorn laufenden Maschinen, mit einem Meter mehr Abstand zum Kai, als wir im Endeffekt wünschen. Dann nehmen wir in Ruhe die zwei Moorigtaue auf und belegen sie mit leichter Spannung. Dann gibt es Maschinen rückwärts, bis zum richtigen Abstand zur Mauer. Die achterlichen Festmacher werden dicht geholt und das Schiff ist eingespannt. Diese Aktion verhindert, dass der Skipper nachts aufstehen muss, weil es Wind gegeben hat und das Schiff gegen die Wand bumpert.

Zweiter Akt. Auf dem Kai sind ein angetrunkener Holländer und ein weiterer Helfer. Sie waren einfach nicht abzuwehren. Fuchtelten auch gleich mit zwei Mooringleinen herum. Eine davon war am Kai falsch befestigt und ging diagonal unterm Schiff durch. Androhung von Prügel half nicht. Wieder eine Leine im Propeller. Es war Nacht und erstmal Ruhe. Morgen werden wir sehen. Am nächsten Morgen war meine Tochter so mutig den Propeller vom Tau zu befreien. Wassertemperatur 16,4 °C. Also zwei Punkte an das Paar.

Am Ende der Reise waren alle guter Dinge: „Nächstes Jahr wetzen wir wieder die Messer und stechen in See.“

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