rilpoint_mw113

Charterskipper - ein Traumberuf

Hans Mühlbauer denkt eher an Albtraum ...

Wie im Artikel über den Seychellentörn weiter vorne im Heft unschwer zu erkennen ist dreht sich vieles um den Skipper der Yacht. Er ist es, der das Tagesprogramm erklärt, Ausflüge organisiert und ständiger Ansprechpartner für alle Belange ist. Dabei wird er natürlich von seiner Crew tatkräftig unterstützt.

Es gibt aber auch andere Formen der „Crewed Charter“, die hier ein wenig beleuchtet werden. So mancher Fahrtensegler freut sich auf seiner Weltumseglung über eine Aufbesserung der Bordkasse. Was näher, als zahlende Gäste mitzunehmen. Für den Mitsegler=Kunden, der ja Geld dafür bezahlt, ergeben sich so manche Unwägbarkeiten, z.b.: Die Charter wird „Von Privat“ angeboten, was nichts anderes heißt, das dass „schwarz“ verchartert wird. Der Skipper/ Eigner fährt ohne Charterlizenz und führt somit im Gastland auch keine Steuern ab... Charteryachten, auch diejenigen für Mitsegeltörns mit Skipper, unterliegen der Ausrüstungspflicht, die von den „Privaten“ umgangen wird. Die Organisation und Durchführung eines Mitsegeltörns entspricht rechtlich einer Reiseveranstaltung

– genau so wie Neckermann

und Co. Reiseveranstalter sind. Sie müssen ihre Flieger/Hotels/...Yachten etc. in Ordnung halten und gemäß der Vorschriften ausstatten resp. Ausrüsten, die Einnahmen versteuern, so genannte Sicherungsscheine zur Insolvenzversicherung ausgeben, und bei Nichterfüllung oder bei Reisemängeln dafür grade stehen. Dies alles kümmert den „Privaten“ wenig. Dafür kann er seine Törns für kleines Geld anbieten, und der Reisende hat das Risiko.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Firmen, die ihre Yacht/en professionell zur Kojencharter mit Skipper betreiben. Hierfür müssen sie einen entsprechenden, auch finanziellen Aufwand betreiben, der sich im Reisepreis, aber auch in der Buchungs-Sicherheit für den Reisenden niederschlägt. Der Skipper an Bord weiß um seine Gäste und kümmert sich entsprechend um sie. Mitmachen wird bei vielen dieser Törns großgeschrieben! Die mitsegelnden Gäste werden selbst zur Crew, die am Ruder Steht, Segel setzt und trimmt, Manöver fährt, und auch mal in der Pantry steht, wenn keine Taverne erreichbar ist.

Ganz anders dagegen sieht die Situation auf großen Yachten, auf Megayachten aus. Hier betreut eine vielköpfige Crew die anspruchsvollen Gäste rund um die Uhr und liest ihnen jeden Wunsch von den Augen ab. Der Skipper ist eher eine Art Geschäftsführer für den Betrieb der Yacht denn der Mann, der die Anlegemanöver fährt und seinen Gästen Seemannsknoten erklärt. Auf einer Megayacht kann man eher von einem Kapitän denn vom Skipper sprechen – entsprechend seiner Verantwortung ist denn auch sein Gehalt.

Bei all dem Einsatz und Zeitaufwand – von morgens früh bis dass der Letzte in die Koje gegangen ist – bleibt das Privatleben des Skippers auf der Strecke. So ist er ständig auf Achse, täglich in einem anderen Hafen, und praktisch nie zu Hause, denn nur, wenn eine Yacht fährt bringt sie auch Geld ein. Soziale Kontakte? Fehlanzeige! Außer den Wirten der Restaurants und Kneipen entlang der Segelroute, den Auto- und Motorrollerverleihern und dem Kassenpersonal von Museen, Nationalparks und historischen Stätten kennt er sonst niemanden. Und zu Hause ist er bald entfremdet, weil er ja wochenoder gar monatelang nicht im Lande ist.

Die Verbrüderung mit den Mitseglern ist ebenso problematisch, denn an Bord findet sich schnell eine Schiffsgemeinschaft zusammen, die durch dick und dünn zu gehen gewillt ist, aber schon beim ersten Regentropfen ist´s damit vorbei und der Skipper sitzt einsam am Ruder und lässt sich nass schütten, während die Mitsegler es sich im trockenen Salon gemütlich machen. Und wenn sich der Skipper bei dem einen oder anderen Mitsegler sagt: “Der/die könnte mein Freund werden,“ dann ist es bei den Mitseglern mit dem Freundschaftsgedanken am Törnende und an der Gangway schlagartig vorbei. Zurück bleibt ein etwas trauriger Skippi – wird von Damen gern mal so genannt – der gedacht hatte, dass auch sein Gegenüber echte freundschaftliche Gefühle hätte.

„Skipper“ nennt sich schnell einer: Mal eben bei einer Segelschule den Sportbootführerschein (SBF) gemacht, vielleicht sogar noch den Sport-Küstenschifferschein (SKS), und schon hat man(n) „alle Scheine“ und dient sich zum Beispiel bei Messen mit einer entsprechenden Visitenkarte als Skipper bei den Törnveranstaltern an. Das reicht nicht! Ein Skipper muss mehr können als geradeaus Fahren: Als Allround-Mechaniker die Bordtechnik instandhalten, Funker, Reiseführer und Animateuer, schon mal Koch und Segellehrer, Gruppentherapeut und Teamleader sein, und schließlich, nicht zu vergessen, sollte er noch gut segeln und die Yacht souverän beherrschen.

Der Job des Charterskippers ist abwechslungsreich, spannend, anstrengend, und wird von vielen Seglern angestrebt. Wer sich auf lange Arbeitstage, wechselnde Mitsegler und immer wieder neue Herausforderungen der Bordtechnik einlassen will kann durch unvergessliche Erlebnisse auf See und an Land samt vielseitiger Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen belohnt werden.

Skipper auf professionell geführten Yachten benötigen eine weiterführende Ausbildung. Das englische Yachtmaster-Zertifikat der RYA, der Royal Yacht Academy ist eine Schulung, die all die oben genannten Dinge beinhaltet. Sie dauert fast drei Monate. Die Absolventen sind weltweit gesuchte Spezialisten ihres Faches.

e-mail: office@multihull-charter.com
Internet: www.multihull-charter.com

Skin by RIL Partner