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Das Portrait - Kathrin Szasz

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Nicht einmal die Hälfte aller Fragen hatte ich gestellt. Und Fragen gab es viele, denn zu ungewöhnlich war es, was es zu erfahren gab, weit entfernt von allem, was man Tourensegeln nennen mag. Dabei hatte unser Gespräch an die 5 Stunden gedauert und ich hatte ihr gespannt zugehört. Ihr, einer außergewöhnlichen Seglerin, die sich im Folgenden im Gespräch selbst vorstellen wird, mit ganz eigenen Ideen, die alles sein mögen, nur nicht orientiert am Zeitgeist, am Mainstream.

Kennengelernt hatte ich Kathrin Sasz, weil sie sich mit einer Email an Multihull Deutschland gewendet hatte, um mitzuteilen, dass sie auf einem Sportkat - mal eben - knapp 900 Meilen durch die Adria gesegelt sei. Mit von der Partie sei nur ihr Hund Lotte gewesen. 2011 plane sie das Ganze in der Ägäis durchzuführen. Dem wohl bekanntesten Segelführer für dieses Seegebiet von Gert Radspieler „Griechenland“ entnimmt man die dringende Empfehlung: „Erste Voraussetzung für eine Reise durch die Ägäis ist die Hochseetüchtigkeit des eigenen Bootes:“

Vor diesem Hintergrund drängen sich Fragen geradezu auf: Diese Tour will sie mit einem Sportkat "Ariane" schaffen, 5 m lang, offenes Trampolin, keinerlei Schutz für Skipperin, Hund und Ausrüstung, kein Motor? Klar, dass ich nun mehr erfahren wollte. So spektakulär die Segelreisen, die sie organisiert und durchführt, so begeistert sie darüber erzählt - so bescheiden wirkt sie andererseits in der eigenen Bewertung Ihrer Leistung: Stundenlang im Golf von Korinth gegen Starkwind aufgekreuzt – wohlgemerkt bei Wendewinkeln, die näher an 180 als an 90 Grad liegen? - Bis an die Grenze körperlicher und seelischer Belastbarkeit gegangen? Ja, so sei das eben, wenn man auf diese Weise unterwegs sei, sagt Kathrin Szasz, das gehöre dann eben dazu, das müsse man durchstehen. Aber das sei ja auch nur die eine Seite, die andere biete: rauschende Raumschotskurse, im Bikini auf dem Trampolin liegend die Sonne genießen, traumhafte, einsame Buchten, die Farbpracht zauberischer Sonnenuntergänge, grenzenlose Freiheit!

HS: Frau Szasz, Sie haben sich Zeit genommen für dieses Gespräch, haben die Mühe der Anreise nicht gescheut. Vielen Dank dafür. Und weil Ihre Zeit knapp ist und weil es so viel zu berichten gibt, will ich mitten hinein springen ins Thema: Wenn Sie unterwegs sind, treffen Sie viele Menschen. Wie reagieren Segler, Fischer, Einheimische auf Sie und Ihre Art zu reisen?

KS: Sehr unterschiedlich: Die Einheimischen, gerade in diesen Regionen - Tourismus ist deren Einkommen, sie wissen, ohne Tourismus geht’s nicht - aber: im Prinzip mögen sie die Touristen nicht. Doch auf mich passt die Bezeichnung "Tourist" ja nur schlecht. Mit mir war's daher anders. Was ich mache ist so einfach und naturnah, das haben sie noch nie gesehen. Dann kommen sie alle an und fragen erst mal: Sind Sie alleine? Nur mit Hund? So kommt man ins Gespräch. Und sie sind sehr hilfsbereit alle gewesen: so hab ich z. B. morgens ein Körbchen auf dem Boot gehabt darin etwas zu essen, die Leute kommen mit ihren kleinen Dingis an und fragen „Können wir Dich irgendwohin bringen, dass Du nicht immer schwimmen musst?

HS: Also schwimmen Sie immer an Land?

KS: Ja, na klar, ich muss immer schwimmen, ich hab' ja kein Dingi, natürlich auch nachts, ich geh' dann abends in eine Taverne, trinke 1, 2 Bier und dann: schwimmen wir zurück, Lotte und ich, Hund klatschnass, ich klatschnass, klatschnass ins Zelt natürlich... Allein diese Sache ist sehr spannend, nachts ins schwarze Wasser zu springen, die meisten Menschen haben eine Abneigung dagegen, aber was soll ich denn machen, wenn ich abends erst ankomme, dann an Land schwimmen muss mit Hund, denn sie muss schließlich auch zu ihrem Recht kommen und endlich mal laufen, danach einen Salat essen und dann ist es elf, halbzwölf, dann muss man irgendwie wieder zurück.

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HS: Aber Sie benötigen doch trockene Kleidung an Land?

KS: Ich hab' ein System entwickelt mit Wasserbag, in den ich meine trockenen Sachen hineinlege, dann an Land, dann umziehen, die nassen Sachen in den Wasserbag, dass die trockenen Sachen nicht nass werden..

HS: Sie ankern also stets in der Bucht, gehen nicht an den Strand?

KS: Ich versuche immer zu ankern, ankern ist für mich das Sicherste – wegen der Menschen. Nur an wirklich unzugänglichen Stränden wäre das kein Problem. Aber an einem Strand voller Menschen ist die Klauerei ein großes Problem, die Menschen kommen alle an, sind neugierig, fassen alles an… Also: das ist sehr gefährlich. Ich hab ja alles offen auf dem Boot. Wenn allerdings das Boot im Wasser ist, also da gehen die nicht dran. Dann weiß ich, mein Boot liegt da, da geht keiner ran, und wenn der Hund d'rauf ist, sowieso nicht. Aber neben der Sicherheit gibt’s noch einen anderen Aspekt: Ich bekomme das Boot alleine nicht vollständig auf den Strand gezogen, dann kommen Ebbe und Flut, auch da unten etwa ein halber Meter, ja und dann schwimme ich evt. irgendwann. Ich brauche extra Festmacher, das geht aber nicht überall. Ich schlafe auch grundsätzlich auf dem Boot. Ich kann ja nichts abschließen. Da ist ja mein ganzes Leben auf dem Boot, ich brauche buchstäblich alles, jedes kleinste Teil. Jedes Ersatzteil ist wichtig. Und wenn 's nur für die Seele ist: wenn etwas ausfällt, dann weiß ich, das hab' ich dabei.

HS: Das Risiko, bestohlen zu werden, ist doch sicher nicht das einzige Risiko, das Sie eingehen: eine junge, attraktive Frau allein unterwegs, das kann doch nicht ungefährlich sein, wie gehen sie damit um.

KS: Zum einen: Ich bin nicht sorglos, ich bin nicht der Typ, der meint: Mir wird schon nichts passieren. Ich rechne – wie auch beim Segeln – stets mit Allem. Man muss zu diesem Aspekt sagen: Ohne Hund ginge es nicht. Dass ich diesen Hund dabei habe, der schwarz ist, groß ist und viel Zähne im Gesicht hat und kein Schoßhund ist. Sie sieht dieses Boot als ihr's an und sie kann richtig böse werden. Ich habe viel Besuch bekommen, aber immer nur auf zehn Meter, weiter haben sie sich nicht heran getraut. Ich hab natürlich auch Pfefferspray, aber ich bin überzeugt, der Hund ist der beste Schutz. Und weil ich – natürlich – um die Gefahr weiß, nehme ich grundsätzlich keine Einladungen an, ich schlafe nie woanders, auch wenn Einheimische mich fragen, offensichtlich um mir ein wenig mehr Komfort anzubieten – nein, ich schlafe immer auf dem Boot und immer mit Hund unterm Arm. Ohne Hund würde ich 's nicht machen.

HS: Die Menschen können neugierig sein, hilfsbereit oder auch eine potentielle Gefahr. Gibt es weitere Eindrücke?

KS Die Menschen wissen oft gar nicht, wie sie auf das reagieren sollen, was sie sehen. Sie sind regelrecht überfordert. Nehmen wir z. b. die übliche Yachtcrew, die unter Motor anlegt, dabei schon Stress hat, drei Leute braucht zum Abhalten usw. Und da kommt diese junge Frau, offensichtlich allein auf ihrem Sportkat – nicht selten mit bis zu 5 kn - in den Hafen geschossen, hält auf eine Lücke zu, muss oft schon vorher die Segel bergen, das Anlegemanöver fahren, alles im Prinzip gleichzeitig machen. Und ich habe zum Teil ordentlich Publikum gehabt. Die Leute schauen zu, sind beeindruckt, wollen helfen, weil sie meinen, sie müssten helfen, weil sie denken, das funktioniert nicht, was die da macht, weil … es einfach niemand macht – obwohl sie teilweise ein 1A-Segelmanöver sehen. Und so kommt dann natürlich die Frage: „Do You need help?“ und ich winke dann ab und sage: Danke, nett, aber es geht schon.“ - Das spricht sich dann 'rum, die Leute können es kaum glauben und sie kommen dann zu mir – da hab ich mit Lotte ein beruhigendes Gefühl. Man ist ja auch immer ein bisschen der Held … und das ist auch schön, das muss ich ehrlich sagen. HS: Ich möchte gern herausbekommen, was Sie zu dem bewegt, was Sie tun. Mit Wellness scheint das Ganze ja nur wenig oder ganz selten was zu tun...

KS: Oh, doch, schon, das kommt oft vor, dass kein Wind ist, keine Welle. Dann liegt man dann wirklich im Bikini auf dem Trampolin...

HS: Dann ist es auch einfach nur angenehm...

KS: Jaaah, man guckt sich um: niemand da, den du rammen kannst, kein Felsen, keine Welle, dann ist 's pure Wellness, dann liegst Du auf dem Trampolin, sonnst Dich oder schwimmst, also ich hab immer ein Seil um 'n Bauch und geh schon 'mal 'ne Stunde schwimmen...

HS: Und das Andere, das Härtere, das an die Grenzen gehen, was treibt Sie dazu, darin muss ja auch ein Reiz liegen.

KS: Nee, es ist nichts, was mich dazu treibt. Es sind einfach Sachen, die "da sind", die dazu gehören; ich brauch das nicht unbedingt. Aber: man muss dann damit klarkommen, wenn richtig Starkwind kommt. Und ich weiss, dass ich das kann!! Es ist ein beruhigendes Gefühl, wenn man weiss, dass man sich ‚auf sich selber verlassen kann’. Aber es ist nicht so, dass ich da steh und unbedingt darauf warte...

HS: Aber es wird ja kommen, damit müssen Sie rechnen - das nehmen Sie dann in Kauf?

KS: Das nehme ich dann in Kauf. Nachdem ich jetzt die rund 1650 Meilen gesegelt bin + die zahlreichen Meilen aus vorherigen Trips, die bisher unerwähnt blieben und dabei stets von den aufregenden Momenten erzähle: Es war einmal die Bora, einmal Kentern und einmal in einer Ecke mit Windstärke 6, in Böen 7, ohne Kentern.... aber ansonsten: oft 4 - 5, auch mal 5 – 6. Das ist ja – für uns – ganz normales Segeln. Das ist ja wie bei Jedem, der vor dem Strand hin und her heizt und der bei 5 überhaupt erst 'rausgeht. Und das ist dann super. Und dann das ganze andere – auch mal 'ne Flaute – das ist auch unangenehm bei 40°C … Ja, was treibt mich eigentlich dazu? Das Gefühl von grenzenloser Unabhängigkeit vielleicht...?

HS: Ich möchte aus Saul Bellows Roman „Der Regenkönig“ zitieren: Da geht es um einen Mann namens Hendersen, bereits auf die sechzig zugehend, Amerikaner, Millionär, der mit sich unzufrieden ist, das Gefühl hat, noch nicht „das Richtige“ gefunden zu haben, der organisiert eine Reise nach Afrika, fast eine Expedition. Der hört eine innere Stimme, die sich (meistens in den unpassensten Momenten) meldet mit: „Ich darbe, ich darbe!“ Er ist offenbar auf einer Suche, deren Ziel er nicht kennt. Das könnte – habe ich das Gefühl – auch auf Sie zutreffen.....

KS: Ja, sicher.

HS: Was ist das genau, versuchen Sie doch bitte, das genauer zu beschreiben.

KS: Nein, ich glaube, das ist nicht möglich - da ist einfach zuviel....

HS: Wenn Sie unterwegs sind, haben Sie dann das Gefühl, dass Sie näher d'ran sind?

KS: Jaah, natürlich, es ist wohl das Unbekannte, nicht zu wissen, was weiter passiert, dieses am Ende Unplanbare. Die Reise ist natürlich unglaublich vorbereitet. Aber trotzdem weiß ich natürlich nicht, was da alles wirklich passieren wird. Mit dem was kommt, klarkommen müssen, in der Situation richtig reagieren. Das mag ich. Natürlich kann das auch gefährlich sein.

HS: In meinem normalen bürgerlichen Alltagsleben setze ich mich doch auch täglichen Gefahren aus...

KS: Ja, natürlich, man braucht ja nur vor die Tür zu gehen... Es kommt eigentlich immer darauf an, aufmerksam zu sein, seine Umgebung im Auge zu behalten. Und genau das lernt man, wenn man solche Reisen mit einem kleinen Boot macht: Es nützt am Ende nichts, sich auf Versicherungen zu verlassen, auf Vorkehrungen.

HS: Man wird also aufmerksamer, schöpft seine Reserven besser aus, man bildet sich, entwickelt Fähig- und Fertigkeiten neu oder weiter.

KS: Ja und zwar nicht aus Büchern, aus denen man sich Wissen aneignet. Bei mir kommt das mit der Erfahrung. Man möchte was erleben, im Urlaub nicht einfach an den Strand legen. Ich brauch' auch kein Hotel mit Sauna und Luxusbett – das hab ich selbst zuhause. Das ist, glaub ich, der größte Fehler, den die Leute heute machen: sie möchten im Urlaub das haben, was sie zuhause ohnehin schon haben, nur in einer anderen Gegend. Das ist deren Horizont. Meinen Horizont will ich erweitern – ich glaube das ist das Ziel – aber nicht nur aus Büchern. Und allein dieser Moment, in den Hafen 'reinzukommen, die Menschen stehen da und staunen – das ist das Größte.

HS: Frau Szasz, Sie segeln jedoch nicht nur mit Leidenschaft, Sie sind von Beruf Musikerin, haben eine eigene Gruppe, die nennt sich „Brassador“. Von der Stilrichtung her, ist es eine Mischung, ein bisschen JAZZ …

KS: Ja, Klassik, JAZZ ein bisschen Dixi - meistens sind es Arrangements, die beides kombinieren. Auf YouTube kann man sich das ansehen. Wir sind sehr vielseitig und können alles spielen, man kann im Prinzip alles für diese Gruppe umschreiben, wir sind fünf Blechbläser, 2 Trompeten, Posaune, Tuba, Horn.

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HS: Da kann man schöne Sachen machen.

KS: Ja, es macht auch großen Spaß. Unsere 1. Trompete und im Prinzip der Leader hat alle Studiengänge absolviert, die man überhaupt nur machen kann, also JAZZ, Barock und Klassik – das ist Gold wert, der kann wirklich alles spielen. Wir haben z. B. jetzt in Coesfeld an einem Festival teilgenommen, das hieß „Musik an ungewöhnlichen Orten“ z. B. einer Bundeswehrkaserne, in einer alten Fabrik. Wir spielen auch gerne bei privaten Gelegenheiten – einmal z. B. auf einem Geburtstag, da gab es statt eines großen Essens unser Konzert. Die Gäste waren überrascht und begeistert.

HS: Lassen Sie mich noch einmal zitieren - aus dem Film "Waterworld", den ich natürlich gesehen habe...

KS: den wir alle gesehen haben...

HS: ….da fordert der Protagonist ein Mädchen, das gern und viel redet, auf, doch einmal zu schweigen, denn sie höre ja gar nicht den Klang derWelt.

KS: Ja, schön...

HS: Diese Assoziation kam mir in den Sinn, weil ich mich mit einer Musikerin treffe. Was bedeutet das für Sie, "Klang derWelt"?

KS: Das kann alles sein: Von NICHTS bis, ja bis Sao Paulo. Ich glaube, es geht mehr darum, dass man es wahrnimmt, ob laut oder leise oder nichts. Und es gibt sicher niemanden, der schon alles um sich herum kennt. Es gibt immer etwas, das noch nicht entdeckt ist. Und auf meinen Reisen war viel NICHTS aber es war auch viel VIEL. Ich habe das sehr genossen… die Ruhe, die ich hatte – speziell als Musiker, nach 110 Dezibel bei Tannhäuser. Aber da geht es mir vielleicht gar nicht anders, als allen Seglern, also den richtigen, die nicht sofort den Motor zu Hilfe nehmen, die das lieben, dies Rauschen, es lieben, langsam unterwegs zu sein. Deshalb habe ich vielleicht auch soviel zu erzählen, weil ich alles wirklich erlebe, ich sehe nicht einfach nur einen Berg - sondern ich fahre an ihm vorbei, mit Windstärke 5- 6, ich sehe die Wellen, die von den Fallwinden aufgeworfen werden, ich ‚sehe’ den Berg dann mit anderen Augen, versuche zu analysieren, wie der Wind gebrochen wird usw. Der ist dann nicht einfach nur ‚schön’, da ist viel, viel mehr... Oder ich komme irgendwo an, es war ungeplant, weil Wind und Welle mich gehindert hatten, mein geplantes Ziel zu erreichen. Dann kann man die Einheimischen fragen, lernt Menschen kennen: es ergeben sich Gelegenheiten wie z. B. auf Potamus, wo ich auf eine Gruppe von Archäologen stieß, die Ausgrabungen machten, die mir anboten sie zu begleiten. Die positiven Erlebnisse überwiegen bei meinen Reisen bei Weitem. Wenn die Leute erfahren, dass ich kein Dingi habe, dass ich schwimmen muss, sagen sie oft spontan, nee, für sie sei das nichts. Dann kann ich immer nur sagen: Für mich ist das auch nichts, ich mach das auch nicht gerne, nachts um elf noch ins schwarze Hafenwasser tauchen - aber soll man das Ganze etwa nicht machen, nur weil man diesen einen kleinen Teil nicht gut findet, soll man denn wirklich deswegen auf das andere, das Schöne, verzichten? Das ist in meinem Beruf nicht anders, da bin ich ehrlich: Die Fledermaus 20mal hintereinander, die spiele ich auch nicht gerne. Aber das gehört dazu, ist nur ein Teil und gleich am nächsten Tag habe ich ein Konzert mit Chor, das so ans Herz geht, dass ich denke: "Wouh! – Toller Beruf." Oder an Tagen, an denen ich drei Konzerte hintereinander gespielt habe, das war wirklich eine Herausforderung, war Stress, aber es hat sehr großen Spaß gemacht, war toll! Da könnte man genauso gut sagen: Nee, das wär' nichts für mich. Aber ich mach' das, seit ich 14 bin, mach' das, weil mir die Musik alles in allem ganz Viel bringt.

HS: Was hat sie dazu bewogen, Musikerin zu werden?

KS: Da waren zunächst meine Eltern, die wollten, dass ich ein Instrument spiele – weil das einfach dazu gehört. Wir kaufen ihr ein Klavier, ein paar Noten dazu. Schnell wurde klar, ich hatte Talent. Dann hab ich Klavier gespielt, 10 Jahre, dann Musikgymnasium für Talentierte, da mussten wir zwei Instrumente spielen, da hab ich mir ausgesucht, was sonst keiner gemacht hat, also Horn

HS: Ich gewinne den Eindruck, dass sie beruflich machen, was Ihnen Spass gemacht hat, was sie gerne machen.

KS: ja, es ist ja ein Passionsberuf, nicht Akten ordnen, man macht das aus – Leidenschaft...

HS: das entspricht meiner „hehren“ Vorstellung vom Beruf des Künstlers

KS: Nur so funktioniert es es, es sei denn – 25 mal Fledermaus … Mit der Musik musst Du früh beginnen, ich hab mit sechs Jahren anfangen, Klavier zu spielen. Ich habe mit sechs aber auch zum ersten Mal in einem Boot gesessen. Das sind zwei Leidenschaften, mit denen ich aufgewachsen bin, die parallel liefen bis ich vierzehn war, mein Sport und meine Musik. Ich hab' da schon viele Regatten gesegelt, die meistens am Wochenende stattfinden. Und ich hab' dann – mit sechzehn – schon die ersten Angebote für Konzerte bekommen, meistens eben auch am Wochenende. Und daher musste ich eine Entscheidung fällen, denn: man darf Konzertangebote nicht ablehnen, wenn man Erfolg haben will. Jetzt kann ich aussuchen, in der Anfangsphase kann man das nicht. Und mit den Regattaterminen verhält es sich nicht anders. Daher musste ich mich mit 16 entscheiden, wie mein Leben aussehen soll: Segeln oder Musik. Denn gerade auch im Segeln wäre voller Einsatz nötig gewesen, ein gutes Boot, intensives Regattertraining. Aber ich glaube, ich hätte das damals auch geschafft, wenn ich mich fürs Segeln entschieden hätte, Kredit aufgenommen, Boot gekauft - aber: dann hätte mir sicher dieMusik gefehlt. Das größte Problem war aber immer die Zeit: Als ich Abi machte, hörte ich gleichzeitig in Köln die ersten Vorlesungen. Für mich gibt’s eben immer nur: ganz oder gar nicht.

HS: Sie müssen improvisieren, wenn Sie unterwegs sind, haben keinen Fahrplan oder können ihn meistens nicht einhalten. Man muss viel Zeit haben, wenn man so unterwegs sein will. Haben Sie diese Zeit? Wie vereinbaren Sie das Alles mit Ihrem Beruf alsMusikerin?

KS: Also, genau genommen, ist diese Art zu Reisen der wahre Luxus. Dass ich heute Musik und Segel verbinden kann, liegt daran, dass Alles extrem gut vorbereitet ist, ich meine jetzt nicht die eigentliche Reisevorbereitung, sondern die Bedingungen dafür, dass es überhaupt machbar ist. Möglich wird es durch die spielzeitfreie Zeit, sechs Wochen am Stück, die ganz normale Theater-Sommerpause. Ich konnte natürlich vom Segeln nicht lassen, hab dann mit 20 mein Boot gekauft, gebraucht natürlich, und mich dann gefragt, was kannst du damit machen: Regatten immer noch nicht – das Wochenendproblem, wie gesagt. Mir wurde klar, dass es für mich nur einen Weg gibt, diese beiden Leidenschaften zu kombinieren, den ich jetzt gehe: Winter, Frühjahr: Musik - im Sommer: Segeln. Aber wenn ich z.B. an Boris Herrman denke: was der macht, das wäre – stell' ich mir heute vor – auch etwas gewesen, was meinen Vorstellungen undMöglichkeiten entsprochen hätte. Aber ich bin sehr zufrieden mit der Lösung, die ich gefunden habe, Deshalb will ich das auch ausbauen. Aber mein Boot ist durchgesegelt und es muss etwas Neues her. HS: Sie haben Ihr Boot buchstäblich verbraucht...

KS:Ja, es nicht wie bei „normalen“ Seglern, wie meinem Bruder z. b., der jetzt seit 20 Jahren ein Boot hat, einmal im Sommer damit fährt und dann in der Scheune unterstellt. Bei mir wird es immer so sein, dass Boot und Equipment sehr unter den hohen Ansprüchen meiner Trips leiden. Da muss dann jedesmal was Neues her und aus finanziellen Gründen kann ich leider nicht immer auf Qualität achten. Ein Teufelskreis...

HS: Haben Sie denn Chancen, Sponsoren zu finden, ich finde da den Namen eines bekannten Herstellers für Blöcke und Beschläge auf den Rümpfen Ihrer "Ariane".

KS: Zum Einen bin ich wohl ein Einzelkämpfer und zum Anderen bin ich nicht auf verrückter Rekordjagd - das macht die Sache schwierig. Ich bedanke mich bei meinem bisherigen ‚Unterstützern’

H.S. Sprenger und Sven Lindstädt Segeltechnik, AWN, Liros Tauwerk, Fa. Mörer sowie Funsport.de. Das hat mir schon sehr geholfen. Es ist 'ne Heiden-Arbeit, Du musst die Leute überzeugen, die sind interessiert, aber es gibt natürlich auch soviele andere, die 'was machen. Aber es geht nicht mal nur um Sponsoren, sondern um Unterstützung im Allgemeinen. Im Moment mache ich mir große Sorgen um Ariane - sie braucht entweder eine „Vollreperatur in allen Teilen“ oder ich brauche ein neues Boot, ansonsten kann ich mit meinen Abenteuern so nicht weitermachen!

HS: Und da kann Publizität ja nicht schaden.

KS: Eben und deswegen freue ich auch über den Beitrag im „Mehrrumpfbo-oten“, der ja auch wieder von anderen gelesen wird....

HS: International Multihull Meeting in Warnemünde – da gehören Sie hin. Da trifft sich die nordeuropäische Cruiser-Szene. 25.-28. Juli 2013.

KS: Sehr gern, wenn ich das jetzt schon weiß, kann ich mir den Termin freihalten.

HS: Vielen Dank für dieses Gespräch.

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Bitte lesen Sie in den nächsten Ausgaben den Reisebericht. Weitere Informationen auch unter www.catventure-sailing.de

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