Der ideale Reisekat
Dr. Thomas Neuber
In meinem früheren Beitrag: Kat, das ideale Cruising Boot, hatte ich u. a. bemerkt: Aluminium als Baustoff sei riskant, und weiter: Masten mit nur drei Wanten betrachte ich als „Russisches Roulett“
Ich bekam danach ziemlich deutlichen Widerspruch per E-Mail, und fragte mich immer wieder, ob meine Stellungnahme nicht überspitzt war. Ich sah in Australien mehrere formschöne und schnelle Alu-Katamarane mit nur drei Wanten. Ein solcher ankerte mit seiner mehrköpfigen Familien Crew vor einiger Zeit in meiner Ankerbucht. Der Skipper lud lokale Freunde zum Mitsegeln ein, die sich über den Speed und das aufrechte Segeln begeisterten. Anna lag damals am Strand mit gelegtem Mast hoch und trocken, als über Mobiltelephon der Hilferuf zu vernehmen war: „We are drifting and our mast is down!“
Der Vorstag-Beschlag war am Top gebrochen, der Mast mit Rollfock und Großsegel hingen im Wasser. Der Skipper hatte Glück im Unglück. Kein Gast war verletzt. Mir fiel auf, dass keiner eine Rettungsweste trug. Der Ersatzbeschlag wurde per DHL geliefert, zwei Yachten seitwärts richteten mit dem Großfall den Mast bald wieder auf, nur eine verbogene Relings-Stütze und kleine Beule im Alu erinnerten noch an das Geschehen. Ich dachte mir meinen Teil.
Auf der Reise zurück nach Aussiland sank der Kat; die Crew wurde mit Helikopter der Coast Guard aus dem Wasser gefischt. Nach Angaben des Skippers hatten beide Motoren, wohl wegen eines Lecks des Auspuffs zunächst unbemerkt Wasser gemacht und zum schnellen Sinken des Alu-Kats über das Heck geführt.
Zu den Überlegungen von Jürgen Peter hinsichtlich des idealen Reise-Kats, möchte ich folgendes hinzufügen. Gleichgültig, ob fertig gekauft oder selbst gebaut. Raum und Zugang zum Raum ist wichtig, wenn man länger auf dem Kat zu leben beabsichtigt. Die Größe sei begrenzt durch die Fähigkeit des Skippers, das Boot notfalls auch allein zu handhaben. Größe bedeutet Komfort und Sicherheit. Zugang zum Raum ist wichtig, weil man z.B. einen Tauchkompressor oder (Motor-) Räder inbord verstauen kann. Der Raum teilt sich in Lebens- und Stau-Raum.
Im Lebens-Raum sollte man an eine gute Wandisolation gegen Kondenswasser denken.
Ein Kat sollte problemlos auf Sand trocken fallen können. Auf eine angemessene Bodenkonstruktion muss man achten. Für breite Katamarane gibt es nicht immer einen Travellift. Außerdem sind Werftkosten die Riesen-Brocken, aus der Bordkasse. Hohe Brückenaufbauten vergrößern den Querschnitt erheblich. Beim Ankern oder im Sturm ist dies ein unreffbares Segel. Je höher die Aufbauten um so höher der Schwerpunkt.
Wie wichtig Breite ist, zeigen die Erfahrungen von Hans Spenrath mit dem Boot „Expresse“ Allerdings bedeutet Breite auch höhere Beanspruchung der Verwindungs-Stabilität. Mehrere Maxi Katamarane auf dem St. Malo–St. Malo-Race, gaben in NZ wegen Schäden an den Querverbindungen auf.
Anna benahm sich im Typhoon Nan Madol bei 45 Grad Kreuzseen trotz ungünstiger Bedingungen wie ein Floß. Sie rutschte trotz 1 mtr Tiefgang durch ihre Kiele seitlich im Schaum ohne Anzeichen des Kenterns. Niedriger Schwerpunkt durch Wasser (Ballast) in den Kielen und niedriger Querschnitt waren sicher auch ein Grund für dieses positive Verhalten.
Als ich zum ersten Mal allein mit Anna segelte, hatte ich ziemlichen Respekt vor ihrer Dimension mit 45ft. Ich merkte aber schnell, daß sie sich viel gutmütiger verhielt als meine vorherige 30ft Iroquois. Hausner’s Taboo III ist ein Charterboot, riesig und schnell, das er fast immer einhand segelt. Seine Schäden repariert er jedes Jahr auf dem Sand unweit von meinem Ankerplatz.
Da ich kein Katamaran Konstrukteur bin, beruhen die obigen Zeilen nur auf Erfahrungen, allerdings erstrecken sich diese inzwischen auf die 20 Jahre- Reise seit 1988 von Berlin mit der Anna. Der Wunsch nach einem anderen Boot hat sich mir bis heute nie gestellt. thneuber@web.de

