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Ein polynesischer Reisekatamaran

Rolf Höltgen

Der Leserbrief von James Wharram in Heft 127 ermutigt mich zu ein paar Zeilen. Wir Westler sind es sehr gewohnt uns aus den angebotenen Dingen/Waren dasjenige herauszusuchen, welches uns am besten erscheint.

Die Welt hält aber sehr sehr viele Dinge bereit, die nicht angeboten/beworben werden, wie z.B. Stille und Ruhe. In Erscheinung tritt ausschließlich der Wille, etwas zu verdienen. Das Sein/ Dasein geht neben diesem grellen markschreierischen Kunterbunt unter. In Momenten großer Kaufbereitschaft rate ich dieses im Hinterkopf zu haben.

Einen Katamaran (oder Mono/Haus) zu bauen ist ein faszinierender Weg, voller Lernen, Überlegungen, Zweifel und Energie. volles Leben und Leidenschaft. Die Fertigkeiten, die dieser Weg mit sich bringt, sind ein wichtiger Baustein für ein unabhängiges Leben, z.B. auf See, in fernen Ländern oder auch hier. Gute Maschinisten, materialverständige Instandhaltungskräfte oder werterhaltende Bootsbauer sind überall schwierig zu finden und teuer, erst recht, wenn man nicht bemerkt wie gearbeitet wird! Deshalb sollten Bootsbaumaterialien eher universell, Maschinen weitverbreitet und einfach zu warten sein oder besser gleich ein Außenborder für Multis.

Bild:128_Poly.jpg

KISS: Keep it stupid simple! Idiotensicher, einfach, ist wirklich DER gute Ratschlag. (Siehe auch Heft Nr. 127, S. 36) Simple ist nicht primitiv, ist meist praktisch und kann saugemütlich sein. Sollte dann noch ein gutmütiges und sicheres Seeverhalten dazukommen reden wir wahrscheinlich über einen Wharram. Und jetzt schreibe ich über meinen Wharram, eine PAHI 42, die CATANOA heißt. (Fotos unter www.catanoa.de)

Die PAHI-Reihe erkennt man von weitem an dem bananenförmig hochgezogenen Bugund Heckbereich und den für Wharram- Katamarane typisch achterlichen Mastfall. Zu ihrer Konstruktionszeit (1979/80) war die PAHI 42 sensationell leicht für einen Sperrholz-Selbstbau (3,5t zu 42ft.).

Mit den Erfahrungen durchs Segeln in karibischen Gewässern setzte ich eine Änderung des Deckslauyouts um. Nun gibt es auch eine PAHI 42 mit dem Wharramtypischen open deck. Saugemütlich! Vom Cockpit aus gibt es einen Deckskochplatz unterm Zelt mit direktem Zugriff auf Gewürze und Besteck. Saupraktisch!, da der/die Smutje nun an der Partygesellschaft teilnehmen kann, anstatt im Kochdunst zu leiden. Zusätzlich gibt es natürlich einen Herd mit Backofen drinnen. À propros Partys, diese finden sehr häufig auf Wharrams statt, da ansonsten einfach der Decksplatz fehlt und/oder das große Zelt. Für mich ist ein benutzbares großes Deck echte Lebensqualität und Freiheit, auch für Dinghireparatur, Motorservice, Liegen und Lesen am Mittag. Von hier habe ich im Sitzen 360° Sichtkontrolle (Ankerlieger, Fischerboote, Peilung), wohingegen ein bisschen in die Kissen sinken mich von außen unsichtbar macht (Relax- und Privatsphäre), und auf See rutschsicher auf dem Teakholzboden dadrin mein Platz für Mastarbeit und Anker ist, wo bereitgelegte Fender nicht von Deck rollen können.

Catanoa hatte ursprünglich Guaraschwerter (= deutlich vor dem Lateralpunkt), welche ein paar Grad mehr Höhe brachten. Im Laufe der Zeit wurde mir die Pflege der Schwertkästen gegen Bewuchs zu mühselig, die Schwerter klemmten oft und folgerichtig kamen sie weg. Ohne die Schwerter und Verwirbelung des Schwertkastens sank der Rumpfwiderstand, und da die PAHIs scharfe Kiele haben (2) läuft sie auch ordentlich Höhe, unterhalb 5 Knoten jedoch steigt die Abdrift logischerweise deutlich an. Zum Ende möchte ich noch was zum Ankergeschirr beisteuern, das bei mir deutlich schwerer als empfohlen ist, aber weniger Extrazuladung bedeutet als etwa ein Kühlschrank und die nötigen Extraakkus. Heute rüsten viele Segler mit dem German-Bügelanker aus, zu Recht wie ich finde.

20kg CQR mit 12m Kette (10mm), Wirbel, daran 60m Nylon (20mm) - wobei die ersten 10m verdoppelt und zusammengetakelt sind- haben immer gehalten. Zweiter Anker 16kg CQR in gleicher Ausstattung und 16kg Danforth als Warpanker. Sind Korallen (die sollte man meiden und schonen) oder Müll auf dem Grund hält ein „Wurstfender“ die letzten 1-2m Kette hoch. So riet es schon damals Wolfgang Hausner in seinen Taboo-Büchern. Und ich bin damit bisher gut gefahren bzw. habe gut damit geankert. r.hoeltgen@web.de

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