FUN TOO in der Ionischen Inselwelt
Gertraud Filgis
Preveza liegt am Eingang zum Amvrakischen Golf. Es ist die Gegend, wo der spätere römische Kaiser Augustus und seine Widersacher Antonius und Cleopatra 31.v.Chr. sich die Seeschlacht von Aktium lieferten. Heutzutage befinden sich im Nordwesten 3 Lagunen, welche durch schmale Nehrungen vom offenen Wasser abgeriegelt sind. In dem Vogelparadies gibt es Salzmarschen und das größte Schilfgebiet Griechenlands.
Wir halten uns an die nette Kleinstadt Preveza am Festland mit Flugplatz. Am Stadtkaj liegt der 45 Fuß Kat „Bright Star Vienna“ Der Eigner liegt gepflegt, braungebrannt und léger im Schatten. Auf die Frage, wie es ihm so gehe, antwortet er: „Waaßt eh, i kaan net genug klaagen“, und grinst. Später sind wir seine Gäste.
Das Herzstück dieses Inselreviers heißt Lefkada/ Lefkas. Nach 7 sm befindet sich zwischen einer ebenerdigen Burgruine a.d.13.Jh und einer hohen langgezogenen Muschelsandbank die Einfahrt zu einem Kanal. Zunächst heißt es warten, bis die volle Stunde schlägt. Dann schwenkt die Straßenbrücke, welche Insel und Festland verbindet, zur Seite und ein reger Yachtverkehr in beide Richtungen setzt ein. Sogleich erreicht man die Kleinstadt Lefkada mit mehreren interressanten biblisch anmutenden Kirchen und Glockenstühlen, die aussehen wie Minieiffeltürme. Und sehr netter Atmosphäre voller Geschäfte. Sie bietet einen gr. Hafen, Marina so wie Kai- und Ankerplätze. Ein betonnter Kanal führt nach 4 sm in ein herrliches Segelrevier mit Sandstränden und kristallklarem Wasser in geschützten Buchten. Direkt unter der Georgios Festung wird gebadet. Bestürzt nehmen wir wahr, wie ein ganzer Talabschnitt zur Mülldeponie missbraucht wird. Auffliegendes Plastmaterial landet haufenweise im Meer oder hier, in dieser Badebucht.
Der übliche Nachmittagswind, jetzt raumschots, bringt Fun Too am Ort Nidri vorbei in die fjordähnliche Vlycho Bay, wo locker über 100 Yachten ankern. Und jeder Anwesende verursacht den Zustand, den er beklagt. Wir taufen einen Abschnitt „Schwedisches Viertel“!und einen anderen „Deutsche Bucht“. Auch Charterunternehmen sind vertreten sowie einige Werften.
Es geht vorbei an der Insel Skorpios. Mr. Onassis wusste schon, wo es schön ist. Entlang der Insel Meganisis wechselt die Windrichtung unmotiviert 3 x im starken Düseneffekt hin und her. Dabei geht die Post ab, aber hallo! Nur eine Sekunde Unachtsamkeit, swisch, und die Großschot reißt mir die Brille vom Kopf. Ein paar hundert Euro verschwinden in den Ionischen Fluten. Dumm gelaufen!
Das Tief ist durch und mit dem Barometer steigt auch die Stimmung wieder. Angenehme Nächte bieten Sivota- und Vasiliki Bay mit Tavernen und kleinen Supermärkten, Segnungen der Zivilisation. Abseits in den Cafés sitzen fast nur Männer. Dorfplatz oder Gehweg sind jetzt im Sommer das Wohnzimmer der Nation, wo man gruppenweise zusammen sitzt.
Nach Kap Doukato, der Südwestecke, beginnt eine Landschaft mit hohen weißen, steil ins Meer abfallenden Kalkwänden. Ein Ausflugdampfer erklärt durch das Megaphon den Leuten, was sie eh sehen. Außer Fun Too nehmen morgens noch weitere nicht motorende Yachten an einer Stehparty teil, bis Wind aufkommt. Unsere nächste Destination heißt Insel Ithaka, die Heimat Odysseus. Darüber in Büchern gelesen, ist die Annäherung irgendwie spannend. Der geschichtlichen Sage nach wird dem Mythos König Odysseus im Iliadenepos von Homer ein Denkmal gesetzt, in dessem Höhepunkt er als Held um den legendären Kampf um Troja unsterblich wurde. Der listenreiche Odysseus erlebte nach Troja noch 10 ereignisreiche Jahre im Mittelmeer, bevor er zu seinem brav wartendem Weib Penelope heimkehrte. Angeblich stammt er aus der Gegend von Polisbay.
Die Insel empfängt uns mit Fallböen in Frikes und auch in Kioni, dem netten Dorf mit Tavernen, wo der Ankergrund sehr tief ist und deshalb die Yachten „römisch-katholisch“ am Kai festmachen. Es geht eng her. Wie mag das erst im Hochsommer sein? Oben in einer engen Gasse steht eine auffällige Erscheinung: ein bärtiger orthodoxer Pope mit langem schwarzen Gewand und hohem so Art Bäckerhut. Hochwürden schnappt sich einen Motorroller und braust davon. Herrlich! Auf dem Weg nach Vathi legen wir eine Badepause ein, direkt vor einem kleinen Strand, auf 3 m Tiefe, genießen das mediterraine Flair und sehen weiter weg eine große Fähre vorbeifahren. Etwas später kommt unerwartet aus dieser Ecke ein Mini-Tsunami angerollt. Fun Too wird am Heck hochgehoben und über den Anker geschoben in Richtung Strand. Hohe Wellen zerklatschen nebenan an Uferfelsen wie Fontänen, schwappen den Geröllsstrand hoch. Der Rückwärtsgang des Yamaha ist in vollem Einsatz, damit der Kat nicht auf den Kieshang geschmissen wird. Nach der vierten Welle ist der Anker oben und wir suchen das Weite.
Von hohen Bergen kacheln Fallwinde in einen Sund rein. Am Ende der großen Bucht liegt die Inselhauptstadt Vathi, die 1953 bei einem Erdbeben schwer zerstört wurde. Heute zieren neue Häuser die natürliche Hafenbucht, welche leider überhaupt keinen Schutz bietet. Einlaufende Yachten suchen umherirrend vergebens Lee vor den weißen Schaumkämmen und Fallwinden des Maistros, die durch die Gegend fegen. Für 9 Flottillensegler ist ein kleiner Kai reserviert. Die meisten Yachten zerren ungeschützt an ihren Ankerketten in Ermangelung anderer Alternativen. Der Regie des Windes folgend, segeln wir die nächsten Tage zwischen Astakos am Festland und den Inseln Meganissi, Kalamaos, Kastos, Arkouti und Atokos. Heute ist so ein Tag, wo die Yachten in diesem „leichtwindigen“ Revier mit gerefften Segeln Lage schieben. Zwischenhochs wechseln mit Tiefausläufern. Schwarze Wolken ziehen auf, die weißen Segel rundum verschwinden in diversen Buchten. Sonne und hohe Temperaturen sind das beste Futter für heftige Gewitter und bald blitzt und donnert und regnet es. Am Festland zieht eine Gewitterbö vorbei mit einem langen dunklen Rüssel, einer Windhose.
In einer tiefen Bucht im Norden von Menagissi suchen viele Yachten Zuflucht. Es ist überall das gleiche: wehmütig denken wir an die Zeit von vor 30 Jahren zurück, wo wir Segler noch eine Gemeinschaft bildeten. Ob oben in Skandinavien, oder vor 20 Jahren während der Biskays-Fahrt. In England, Frankreich, Spanien. Portugal. Und heute? Die Seglerkameradschaft ist auf der Strecke geblieben. Ja, es löst kaum eine Reaktion aus, wenn man winkt und je länger das Boot, desto arroganter die Besatzung. Es regiert die Anonymität. Nur bei den Flottillenseglern vermischen sich Grillduft und Lachen.
Eigentlich auf dem Weg nach Kefalonia. Ein schwarzes Wolkengebilde am Himmel, das geisterhaft weiße Zirren verschlingt, gibt ein beklemmendes Gefühl. Es ist vorbei mit der mediterranen Sanftmut. Dieser langen Gewitterfront aus Schwüle und Druckfall entkommen wir nicht. Flexible Kursänderung und die Bucht von Sivota gibt wieder mal Schutz, wo Bougainvileaen in allen Farben hängen und Oleander und Hibiskus anheimelnd die Gegend zieren. Dann ist das große Regentief da.
Zwei Tage später ist Fun Too angelangt in Fiskardo, dem nördlichen Fährhafen der Insel Kefalonia. Er entpuppt sich als reiner Touristenort, der zu 90 % aus gedeckten Tischen entlang der Wasserfront besteht, in Erwartung eines lukrativen Sommergeschäfts. Segler und Restaurantgäste stehen sich auf 3 m Abstand gegenseitig auf die Teller. Furchtbar. Es folgt ein bergiger Spaziergang zu Leuchtturm und Burgruine und vorbei an den Erdbebenresten von 1953, sowie hoch zu einem prähistorischen Ausgrabungsfeld.
Der wunderschöne Blick in die Straße von Ithaka entlockt uns ein „Ooh“!
und erinnert an den Königssee in Großformat. Aber der Wind ist instabil. Die Windrichtung springt hin und her, wie unsere Seglerlaune schließlich auch, denn die Geduld wird wieder mal strapaziert. Besonders, wenn „die anderen“ vorbeimotoren.
An den Hängen teilweise totaler Kahlschlag und gelbe Narben im Fels. Bedenkenlos wird auch hier die Natur geopfert wegen einiger Luxusvillen.
Ansteuern einer großen Bucht mit dem netten Ort Evfinia samt kleinem Hafen und Fähranleger. Viel Schwell und 8 Reisebusse samt deren flanierender Heerscharen vergraulen uns das Hierbleiben. Nur 4 sm weiter liegt geschützt Sami mit großem Hafen. An 2 Anlegern machen große Fähren fest. Sie verbinden die Insel Kefalonia, die ein beliebtes Reiseziel für ganz Europa ist. Kefalonia ist die größte der Ionischen Inseln und liegt gegenüber der Mündung des Korinthischen Golfes. An den Berghängen gedeihen Zedern und Zypressen und am Berg Ainos mit 1628 m wächst ein dunkler Tannenwald. Steilküsten fallen tief ins Meer. Große Höhlen locken Ausflugsboote an.
2 km Fußmarsch nach Kaaravomilos. Vor dem Hintergrund des unermüdlich sich drehenden Wasserrades schwimmen Enten im ruhigen kleinen See. Sein Süßwasser ist unterirdisch 14 Tage unterwegs und mündet unmittelbar ins Meer. Noch 1 km weiter wird man in der Höhle von Melissani über 120 m tief per Ruderboot unter weiß-gelblichen Stalaktiten gepaddelt. Ein NW 4 und seine Wellen bringen uns direkt hinein in den Hafen von Poros mit phantastischer Umgebung. In hohe Bergketten senken sich tiefe Täler. Dorf und Tavernen liegen 1 km weit weg.
Das nächste Ziel liegt wieder in Sichtweite, Zakynthos ist die Südlichste der Inselkette, auch sehr bergig. Sie war erster Anlaufpunkt aus diversen Richtungen, wichtig für Handel und Weiterreise und sehr begehrt. Ihre Feinde waren Hunnen und aus N-Afrika die Sarazenen, sie kamen aus dem Morgen- und Abendland. Alle haben überfallen, beherrscht, unterdrückt und gemordet und den Rest besorgte dann die Cholera. Venetien siedelte italienische Landleute an durch Steuererlass.
Ein West 3-5 bringt uns zur kleinen Insel Aghios Nikolaos in die Ormos Skinari Bucht. Starke Fallwinde fauchen in den kleinen Hafen. Der Hafen der Hauptstadt Zakynthos ist voller Fähren und Ausflugsboote. Es ankern Kreuzfahrer zwischen vorbeiflitzenden Windsurfern. Spaziergang zu Markus- und Solomoplatz. Nikolaos- und Dionysoskirchen mit freistehenden Campanile. Dann den Hügel Bochali hoch. Auch vor dieser Burg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Kühlen Labsal gibt es in der Taverna.
Das Kap Geracos ist umrundet und gibt den Blick frei auf die schöne Lagana Bay, eine Landschaft mit Inseln, wo Falken im Aufwind schweben. Der Ort Lagana ist ein neuzeitliches Billig-Touristen-Ghetto, mit Ramschläden, voller Alkoholregalen, wo sich am Ufer Snackbars und Pizzas en mass reihen und die Luft nach billigem Pommesfrittes-Öl stinkt. Und Jugendliche, fern der Heimat, bis in die Puppen sich amüsieren ... Segeln und Ankern ist hier nur begrenzt erlaubt und wird durch Koordinaten vom „National Marine Park of Zakynthos“ vorgegeben. Die Bucht heißt auch Turtle Bay und ist ein Biotop für die Schildkröte Carettacaretta, die über 100 Jahre alt werden kann. Graugrüne Panzer gleiten unter der Wasseroberfläche langsam an uns vorbei. Im Licht des Vollmondes tauchen tennisballgroße Köpfe hoch, um Luft zu holen und verschwinden wieder lautlos. Sie haben ihr eigenes Navi- System. Zwischen Juni und August kommen sie von weit her, um am Strand Gruben zu graben und ca 120 Eier zu legen. Diese werden von der Sonne ausgebrütet. 55 Tage später versuchen die Kleinen das rettende Meer zu erreichen, wo ihre unbekannte Reise beginnt. Für Fun Too ist die Reise entlang der Ionischen Inseln hier beendet. Wie es weiter geht? Evtentuell Peleponnes? Schau ma mal.











