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Gurthose und Seilklemme an Bord

Hansjörg Hennemann

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Was mich wirklich bei den TV-Übertragungen des America Cup fasziniert hat, war die Windeseile, mit der die Crew einen ihrer Jungs in den Masttopp gezogen hat! Ein Baustein dieses Nervenkitzel sind Gurthosen oder auch Sitzgurte genannt aus dem Bereich Klettern oder Bergsteigen.

So drängte sich mir doch schon im bequemen TV-Sessel die Frage auf: Sind Gurthosen der zeitgemäße Ersatz des guten alten Bootsmannsstuhls? Nun, meine Erfahrungen mit dem Bootsmannstuhl beschränken sich auf wenige ungeliebte Ausflüge in den Masttopp. Und da habe ich mich auf dem „Schaukelbrett“ nur wirklich dann sicher gefühlt, wenn mein Allerwertester so richtig schwer und fett auf dem Sandwichbrett lastete. Sobald ich der kurbelnden Crew am Mastfuß etwas an Arbeit abnehmen wollte, in dem ich mich selber ein Stück hochzog, hatte ich das verflixte Brett hinter den Schultern hängen ... und die Panik im Gesicht!

Lange Rede kurzer Sinn: Über ebay habe ich mir eine Gurthose bestellt, Sofortkauf, Neuware (securité oblige!). Meine ist von Singing Rock und hat rund 30 Euro gekostet, aber ich denke dass es hier jedes andere Markenprodukt auch getan hätte. Ich finde die Gurthose ziemlich bequem zu tragen, zumindest nachdem ich mir die Mühe gemacht habe, sie richtig einzustellen. Aber vor allem: Im Rigg fühle ich mich mit der Gurthose viel sicherer als mit dem Bootsmannsstuhl. Vorbei die Zeiten, in denen ich passiv hochgeleiert wurde und dann oben wie eine reife Birne hing. Jetzt kraxele ich aktiv zwischen Salingen und Diamants herum. Den Untenstehenden bleibt nur unterstützend zu ziehen und zu sichern. Mein Fazit: Für einigermaßen sportliche und leichte Mast-Enterer ist die Gurthose die bessere Alternative! Außerdem ist eine Gurthose leichter als ein Bootsmannstuhl...

Beim Durchstöbern der Internetseiten für Bergfexe sind mir dann noch die Seilklemmen von Petzl aufgefallen: Das sind im Grunde mobile Hebelklemmen, die man im Handumdrehen auf ein Seil aufsetzen kann und die gut in der Hand liegen. Mit solchen Seilklemmen ziehen (und sichern) sich z.B. Bergsteiger an Fixseilen in Richtung Everestgipfel. Kletterprofis schaffen es sogar, mit solchen Dingern an Händen und Füßen ganz alleine in die Senkrechte aufzusteigen ... ein oben verankertes Seil natürlich vorausgesetzt. Kurzum: Ich habe mir zwei solcher Petzl-Seilklemmen über ebay bestellt: Die eine Version bietet einen Handgriff (38 Euro) und ist etwas größer als die kleinere Version ohne Handgriff (35 Euro).

Beiden gemeinsam sind die „achterlichen“ Löcher. Hier kann man ein Tau befestigen, um den Zug an eine Klampe oder an eine Winch abzugeben statt ihn mit der Hand zu bewältigen! Vier Meter Tau plus Karabiner und man kann mit der Seilklemme an vielen Stellen an Bord andocken! Die denkbaren Einsatzmöglichkeiten an Deck sind also vielfältig - immer vorausgesetzt die Taustärke passt zur Klemme und man respektiert ihre Bruchlast. So kann beispielsweise der unter Zug stehende Part bei einem Überläufer mit Hilfe einer Seilklemme entlastet werden. Eine Seilklemme kann aber auch eine fehlende oder belegte Winch, z.B. beim Reffen ersetzen. Generell gesagt: Immer dann, wenn der Zug nicht mehr gut mit der bloßen Hand zu bändigen ist, kann eine Seilklemme im Handumdrehen Entlastung bringen. Ja sogar neue Möglichkeiten eröffnen: Reffleine durchsetzen, Festmacher dichtnehmen, Anker einholen; Zugwinkel der Fockschot verändern, einen Hahnepot beim Heckankertau anschlagen etc.

Der Einsatzbereich einer Seilklemme liegt zwischen der bloßen Hand und der Winch. Meine beiden Seilklemmen, jene mit Handgriff solo, die ohne Handgriff mit 4-Meter-Tampen, stehen bei mir an Bord nun immer stand-by. Allerdings denke ich: Eine von beiden würde auch reichen.

Klar, dass ich dann Blut geleckt hatte und mehr über Kletterausrüstung erfahren wollte, um sie gegebenenfalls an Bord einzusetzen. Das gipfelte schließlich darin, dass ich mich für einen Tag im Klettergarten Mannheim (www.seilgarten-mannheim.de) angemeldet habe. Hier konnte ich einen flüchtigen Blick in die Welt des Kletterns und Sicherns in 8 Meter Höhe werfen. Es war ein tolles Erlebnis auch wenn meine Ausbeute mit Blick aufs Segeln dann doch eher mager war. Erwähnen möchte ich noch den Abseilachter, der ganz nett ist, um sich einhand aus luftigen Höhen kontrolliert abzuseilen. Aber an Bord kann ich mir seinen Einsatz nicht gut vorstellen. Neben Spaß, Nervenkitzel und Grenzenüberwinden dieses Tages im Klettergarten ist mir besonders die Qualität und die Dimensionierung des dort zum Einsatz gebrachten Sicherungsgerätes in Erinnerung geblieben. Damit verglichen gehen viele Segler etwas sehr nachlässig mit dem Thema Sicherheit im Rigg um und setzen oftmals spilleriges Zeug ein.

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