Hiddensee, Rügen, Usedom zum Nulltarif?
Erwin Ramins Teil C2: Erprobung ARCHE NOAH IV im Urlaub 2004 + Beiträge zu WC, Anker, PC
Der Sommer 2004 läßt sich beschreiben wie: Lotsenversetzboote zeitweilig auf Innenposition, Fischkutter gesunken auf...Ergebnis: 6 tote Segler/Fischer in unmittelbarer Umgebung. Dennoch war es ein erlebnisreicher Törn, mit weniger Seemeilen und dafür mehr Fahrradkilometer.
Wir starteten in Uetersen am 15. Mai. Nach wetterbedingter Pause am Kai in Rendsburg ging es in einem Rutsch vom Olympiahafen Kiel zur Ankerbucht in Poel. In Wismar sollte am nächsten Tag WISMARA (Wissemara) getauft werden. Wir segelten früh morgens Richtung alter Hafen. Der Vereinshafen neben unserem Grillfest vom letzten Jahr (IMM2003) spukte jede Menge über die Toppen geflaggter Yachten aus, die das gleiche Ziel hatten. Schnell brachte ich den Gott sei Dank gebrauchsfertigen Fahnenschmuck an, während Waltraud Ruder ging. An der Hafenmole saß ein dicker Mann mit weißer Mütze, der schrie: “Kein Platz, zurück!”. Ich schrie: “Hier kann ich nicht drehen” und fuhr weiter. Die Beamten der WASPO im Schlauchboot, die von den wehenden Flaggen am 16-Meter-Mast wohl beeindruckt waren, fragten höflich, ob ich nur zum Stapellauf bliebe (ich wollte ja anschließend zu Uwe Deutschmann) und schon hatte ich einen Logenplatz. Es gesellte sich noch als letztes ein Kielboot mit dem Kurdirektor von Poel längsseits, der war als Offizieller geladen, denn die Original-Kogge war schließlich bei Poel ausgegraben worden. Nun war der Hafen wirklich fast voll. Die Ufer der Kais waren von tausenden Besuchern gesäumt und warteten auf das Erscheinen des Ministerpräsidenten, der im Stau stand. Die Sektflasche ging leider erst beim dritten Anlauf kaputt, man sollte halt Fachleute fragen, wie man das macht. Abends waren EUR 10,-- fällig, die gerne gezahlt werden, wenn das Umfeld stimmt. Es sollten nur noch Hafengelder bis Ende des Urlaubs am 19.9. in Warnemünde alter Strom, Darßer Ort, Peenemünde (Raketenmuseum), Lohme (Kreidefelsen), Warnemünde Hohe Düne (Hanse Sail), Rendsburg und in Stade anfallen, insgesamt ein äußerst kostengünstiger Urlaub.
Wie läuft das? Man nehme einen flachgehenden (küstennahes Ankern), geräumigen (Komfort) Kat (siehe MH-Nr. 96 S.30), der autark gerüstet ist. Mir ist schwer verständlich wie Segler ohne (man beachte die Reihenfolge!) Bordfrau, Beiboot, Räder, Back-Ofen (Brötchen), unabhängige Stromversorgung (Solar) und meinetwegen noch Laptop und Handy/UKW auskommen können. Natürlich ist eine redundante Motorisierung und ein ordentliches Ankergeschirr notwendig. Die im Charterbetrieb voll belegten Boote sollten bitte auch weiterhin die Marinas benutzen, denn die Stimmung im naturnahen Umfeld litte doch darunter.
Ich stehe auf der Aluleiter und erreiche fast die erste Saling. Mit der Sonne im Rücken halte ich Ausschau zur Einfahrt in die Lagune. Im blauen Wasser ist deutlich eine Sandverwerfung zu erkennen (s.palsteg6/04,S.8). Darauf steht ein merkwürdiges Seezeichen, wahrscheinlich eine besondere Gefahrenquelle. Die Stege im Hafen Darßer Ort sind total leer. Der Seenotrettungskreuzer und ein Fischerboot liegen an der Mole gegenüber. Wir machen an dem Holzsteg für Motorboote fest. Das Manöver ist kinderleicht, trotz Fahrt mit nur einer Maschine, denn kurz zuvor ist der Bautenzug für die Gangschaltung gebrochen. Hier wird bestimmt nicht kassiert. Doch abends erklärt der Hafenmeister und Naturwart, das komische windschiefe Zeichen bedeute Sperrung des Hafens und kassiert EUR 12,50, wobei die Strafe für die Ordnungswidrigkeit wegen des Bautenzuges entfällt. Nach Warten von sieben Jahren auf Fördermittel sind die Steganlagen richtig schön erneuert worden. Wegen der Versandung ist der Hafen gesperrt worden. Es herrscht Stimmung bei den DGzRS- und DLRG-Leuten, die mit den herben Spruch, der vor Ort aufgefasst wurde: “Hängt die Grünen an die Bäume, solange es noch welche gibt” beschrieben werden kann. Man hört von Plänen für eine Windanlage und den dazugehörigen Bauhafen. Später wird bekannt, nächstes Jahr soll gebaggert werden. Darßer Ort ist allemal den Zwischenstopp wert, auch ohne Fahrrad, Stromversorgung und Klo am Steg.
Spi runter, Vorsegel hoch, es gilt das enge kurvenreiche Fahrwasser zwischen Bock und Geller Haken zu runden. Wir können über das Flach direkt auf Tonne 15 zuhalten, doch als wir bei Tonne 42/45 abkürzen wollten, kommen die durch Gummibänder niedergehaltenen Ruderblätter hoch. Abends ankern in der Klintoris Bucht bei miesem Wetter. An Land die gelben Schilder mit den schwarzen Eulen. Wie soll man hier das seeseitige Ufer erreichen? Es sollte sich später als leichte Übung herausstellen. Der starke Wind steht günstig. Wir können nur mit dem Vorsegel bis nach Ralswiek laufen. Nach Ende der zahlreichen Fahrwassertonnen können wir endlich auch einmal das neu erstandene Sturmsegel (?) ausprobieren. Es passiert gar nichts. Das Boot steht quer zum Wind, das Minisegel reicht nicht um den Kat vor den Wind zu bringen. Mit Motorunterstützung geht es schließlich und wir laufen über 4,5 Knoten. Weil der Bautenzug immer noch nicht fertig ist, ankern wir nahe der Freilichtbühne. Beinahe hatte ich den Pfahl dort benutzt, was allerdings nicht sehr klug gewesen wäre, denn daneben soll sich das Hebezeug für die sinkenden Koggen der Störtebeker-Festspiele befinden. Wir können freundlicherweise am roten Räucherkutter mit einer Maschine bei starkem Wind anlegen. Nachmittags erscheinen drei Spiel-Koggen und von der größten wird herübergerufen, man würde die Kogge gegen meinen Kat tauschen wollen. Da kommt Besitzerstolz auf. Die Bordfrau verläßt das Boot um zu Hause Rasen zu mähen, während ich bis Binz radele und auch die Proa bestaune. Tags darauf ankere ich vor der Steilküste mit dem Campingplatz in Banzelvitz, bei Westwind wunderschön. Ich werde am Robinsonstrand grillen. Beiboot ins Wasser, locker belegen. Verdammt, einiges an Bier fehlt noch. Es muss im Vorschiff gesucht werden und dauert länger als gedacht. Das Beiboot steht bereits am nahen Strand. Neoprenanzug an, Beiboot einfangen, Grillfest gerettet! So ein Slipsteg hat seine Tücken! Der Wind soll kräftiger werden. Also auf zum Martinshafen gegenüber. Für diese kurze Strecke brauche ich doch die Seekarten mit GPS-Marke nicht anzuwerfen. Leider sind die Tonnen gegen die tief stehende Sonne nicht auszumachen, dafür sind später Masten und Boote deutlich zu erkennen. Plötzlich zeigt das Echolot 0,9, kurz darauf 0,4 Meter an. Beide Ruderblätter sind längst oben und die Schrauben wühlen im Dreck. Mist!! Jetzt sehe ich auch zwei spindeldürre Priggen, gerade mal fingerdick. Klar, ich wurde beim Segeln reichlich nördlich versetzt. Die Boote gehören zum Binnenhafen Glowe. Die Motoren schieben mich in Richtung Fahrrinne, leider leiden die Schrauben unter dieser Tortour. Die See schäumt. Plötzlich steht das Boot wie angenagelt. Ich meine auf ein Wrack zu sitzen. Hier im Osten ist wahrscheinlich alles möglich. Mit zurück und voraus komme ich wieder los, Vollgas und ab in Richtung Martinshafen. Gas weg und rumps, das Boot steht wieder wie angemauert. Mehr zufällig schaue ich nach unten zwischen die Badeplattformen und sehe meine 50-Meter Leine, daran hängt der Pflugscharanker, der für die unfreiwilligen Stopps verantwortlich zeigt. Der Anker war, wie fast immer, schön über den Alubeam vorn gelegt worden, weil das so praktisch war. Die kurze Binnenostseewelle hat ihn dann zu sich geholt. Die ganze Strecke habe ich den Anker, der wohl bei fast Vollgas mehr über den Grund flog, an der langen Leine mitgeschleift. Als ich das Gas zurücknahm, fasste er bei wahrscheinlich vorzüglichem Grund. Dummerweise hatte ich das andere Ende der Ankerleine klar zum festmachen über die Reling backbordseitig belegt. Nun waren zwei Relingstützen aus ihren Lagern gerissen und die Drähte hingen durch. AN04 stellte sich wie gewohnt quer zu Wind und Welle und die 16mm-Leine hing bombenfest hinter meiner eisenbeschlagenen Kielleiste, fast mittschiffs. Schöne Bescherung! Was machen? Ganz einfach! 1. Lose auf die Leine, schnell mit dem Bootshaken die Leine steuerbordseitig hochziehen und dort belegen, das Boot dreht herum. Es funktioniert wohl auch nur bis sechs Windstärken und man muss schnell und kräftig zulangen! Das Festmachen in engen und voll belegten Hafen ging nur, weil der Kat (Seitenschwerter oben) mit den beiden Maschinen bei diesem Wind gegen die Drift gerade noch zu halten und ein kantiges Motorcharterboot der Kuhnle-Flotte eben die 10-Meter Lücke belegte, an dessen Seite ich dann anlegen konnte. Zwei Mal per Rad in Sagard Benzin holen, Reling reparieren, es kommt keine Langeweile auf.
Die nächsten Tage in Breege verbessern die Stimmung beträchtlich. Nur das Wetter könnte besser sein. Ich radele noch am Abend nach Kap Arkona und melde mich von da zu Hause, denn die Bordfrau muss ja schließlich wissen, wohin sie reisen muss. Starkwindwarnung! Ich liege mit der Kette am Eisenpfahl. Das kleine Kielboot, das ankerte, steht auf seinem Kiel auf dem Sand und hat Glück, es hätte auch auf die Saal-Steine treiben können. Wir radeln zu zweit wegen des angeblichen Höhensonnenwendfeuers nach Kap Arkona, es fällt aber wegen des Platzregens ins Wasser. Die Radtour durch den Schabewald bis zum Seehafen Glowe (schöner Hafen mit Strand) ist erholsam, trotz des einsetzenden Nieselregens. Für die Parkplätze hier, mitten in der Wildnis, wird kassiert; wir liegen an unserem Pfahl sicher und kostenlos (hier soll demnächst der Hafen erweitert werden!). Die Radtour nach Wiek (Hafen evtl. unruhig) über Kuhle (empfehlenswert) rundet die Erkundigungen ab. Der nette Segellehrer mit dem blauen Tri in Breege rät zum Liegen im alten Fährhafen in Kloster. Wir finden ihn dort bei der Morgentoilette und er meint wir sollen direkt zwischen die Eisenpfähle festzumachen. Wir sind dort sechs Tage und erkunden Hiddensee gründlich per Rad. Der Starkwind- und Regentag, der eine Anlandung mit dem Beiboot nicht ratsam erscheinen läßt, wird durch den Film auf dem Laptop ”Hochzeit auf Griechisch” spielend überbrückt. Die Doppelkoje achtern wird zum Kino. Als wir im dunkeln bereits wieder in der Koje liegen klopft uns der Bootsnachbar heraus und nimmt unsere Einladung zum Umtrunk doch noch wahr. Die zwei Flaschen Wein zahlen sich aus. In Stralsund liegen wir, bzw. ich, denn die Bordfrau ist wieder zum Rasenmähen, fast allein und sicher im geräumten Hafen nach der Klappbrücke, denn der Ossi mit Ortskenntnissen hat uns hierher gelotst (nächstes Jahr ist hier evtl. ein Containerhafen!). Übrigens, die ganzen Strecken wurden fast ausschließlich gesegelt, von Kloster nach Stralsund mit bis zu 9,2 Knoten (1 Reff). Dieses geht bei den hier wechselnden Richtungen nur, wenn man etwas Zeit mitbringt. Es lebe das Rentnerleben! Statt Hafengeld wird die Kohle für Museumskarten geopfert. Leider zahlen die Rentner im deutschen Osten den vollen Preis, man hat dort anscheinend zu viel Rente! Als nächstes wird der auf der Seekarte längst erspähte Selliner See angepeilt, denn Badewetter ist in Sicht. Wir hätten die Leinen gut zwei Stunden früher loswerfen sollen; der Wind schläft ein und das kostet Benzin. Dafür scheint die Sonne. Bei der schmalen, schilfgesäumten Seezufahrt werden wir bei der Einmannfähre in Moritzdorf gefragt, ob wir uns mit unserem Dampfer verfahren hätten, aber für die Paddler ist ja seitlich noch reichlich Platz. Der See war einmal zur oberen Hälfte Naturschutzgebiet, jetzt hat man sich freiwillig geeinigt die Schilfseiten zu meiden. Die unbezeichnete Fahrrinne zu finden erfordert hellseherische Fähigkeiten und wir sitzen bei der Einfahrt mit Echolottiefe 0,4 auch auf, aber man hat ja kick-up-Ruder. Am linken Steg in Sellin wollten sie EUR 10,-- (am Bollwerk soll es kostenlos sein), ich meinte dafür gäbe es reichlich Bier und die Belegschaft der Kneipe war der gleichen Meinung. Es wurde also etwas fernab geankert und das Beiboot durfte sich mit dem Transport von zwei Personen plus Räder wieder bewähren. Radfahren über Schloß Granitz nach Binz, zum Nordperd über Sellin, Baabe, Göhren; über Moritzdorf nach Seedorf (ruhiger Hafen). Ein Polizist sucht bei unserer freundlichen Bootswache, dem Ruderbootvermieter, nach den vermissten zwei Seglern. Er hat keinerlei Unterlagen. Mit der Sachlage vertraut, schicke ich ihn zum nächsten Kiosk, denn Bild hat das Bild vom blauen Boot in der heutigen Ausgabe. Wir müssen weiter, ein Kormoran landet unverschämterweise auf der Aluleiter (s.Bild MH110s33), obwohl wir in der Kajüte sitzen und die Schiebtür offen ist. Vielleicht wollen die hier brüten? Passender Wind trieb uns zum Zicker See. Bei den Fischern vor Klein Zicker war der ideale Ankerplatz. Bei verträglichem Wetter wird der FKK-Strand vom Südperd nordwärts erschlossen. Zwei Seemeilen Nackedeis in allen Variationen. Abstecher zum Hafen Gager (weniger empfehlenswert), Groß Zicker mit Aussicht Bakenberg erweitern den Erfahrungsschatz. Hiddensee und Rügen sind bis auf die Gegend um Lauterbach umfangreich erschlossen und das alles zum Nulltarif !!
Der Wind passt wieder. Ab nach Usedom, ein Katzensprung. Wir laufen in den gesperrten Peenemünder Hafen, denn ich will das größte Museums-U-Boot aus der Nähe sehen. Beinahe hätten wir direkt im ”Raketen-Museum” festgemacht, denn ein altes Polizeiboot hatte die passende Größe um längsseits zu gehen. Gerade noch rechtzeitig wurde der Zaun ausgemacht. Wir quetschten uns mühsam in den kleinen Sportboothafen um nach Aufforderung gleich wieder rückwärts an die Außenmole gegenüber dem Uboot zu verholen. Bei Schwachwind und zwei Motoren kein Problem. Das Uboot- (EUR 4,--), “Raketenmuseum” (EUR 5,--), der Flugplatz mit den Ostblock Flugzeugbunkern (jetzt teilweise Kuhställe) und kaum zu erkennende Abschußrampenreste V1 und A4 sind zu sehen. Das “Raketenmuseum” sollte man keinesfalls auslassen. Für die EUR 10,-- Hafengeld hätte man auch nebenan ankern können. Später ankern wir unweit Karlshagen, denn hier ist ein Hafenfest. Mit Bierzelt und Kapelle und vollem Programm. Als wir im Dunkeln mit dem Beiboot den Schilfgürtel an der Kai verlassen, erwecken wir die Aufmerksamkeit der Dorfjugend. Wohl etwas neidisch werden wir nach dem Wohin befragt und ein deftiger Spruch wird uns nachgerufen. Die trauen uns doch etwas Betagten in dieser sternenklaren Nacht noch allerhand zu, denn unser bequemes Nachtlager ist ja auch nicht mehr zu sehen. 4.30 aufstehen, die Brücke in Wolgast öffnet um 8.40. Wir sind schon vorher da und ein Binnenschiff geht außerplanmäßig um 7.30 durch die moderne Klappbrücke. Tagesziel ist Riek, die kürzeste Verbindung zum Ostseestrand, Ankunft 11 Uhr. Leider sind die Tore des kleinen Hafens verschlossen, also das Fahrrad wieder ins Beiboot. Im gegenüberliegendem Schilf sind Lücken zu erkennen und siehe da, schnell haben wir wieder einmal den idealen Platz für unsere schwimmende Ferienwohnung gefunden. Ein paar Paletten und die Aluleiter erlauben einen komfortablen Zugang zu Usedom. Von Zinnowitz bis zur Zollstation an der Odermündung (Warschau beim Einlaufen bei westlichen Starkwinden!) bleibt uns nichts unbekannt. Wenn man wollte, könnte man hier den ganzen Sommer verbringen, zumal anscheinend alles ausgebucht ist. Es kommt Ostwind auf. Auf der Rückreise kommt im Achterwasser ein Kat gemotort und beide gehen auf Kollisionskurs. Der Skipper will nach Zinnowitz, ich rufe noch Riek sei besser. Wir ankern im Windschatten vom Weißen Berg der Halbinsel Gnitz. Beinahe hätte ich mich zwischen den Stellnetzen und Festland am südlichen Zipfel nicht durchgetraut. Kurzer Zwischenstopp in Wolgast und weiter zum Ruden. Die kleine nördliche Bucht mit dem Strand zwischen den hässlichen Steinmolen ist das Ziel vieler Tagesausflügler der Umgebung und es wird beim Ankern etwas eng. Nachts sind wir aber nur noch zwei Boote an der Westseite, während der Hafen mit Charterbooten gegenüber recht voll ist. Eigentlich dürfe man ja gar nicht anlanden, wohl aber hinüberschwimmen, wurde uns angetragen. Gelenkter Tourismus = Abkassieren/ Begrenzter Zutritt zur Oie, Vilm etc., wahrscheinlich auch bald zu historischen Innenstädten?
Die Unwetterwarnung kam gerade passend. Wir segeln querab der Kreidefelsen, dem Höhepunkt der Rügenreise und meine Frau bestimmt: Wir laufen Lohme an! Meine Befürchtung mein Guiness-Rekord-O-Hafengeld würde gebrochen und es wäre wohl sündhaft teuer wird nicht akzeptiert. Eigentlich wollte ich dort sowieso hin, denn nur von hier und evtl. von Saßnitz ist Rügens Heiligtum per pedes zu erschließen. Als wir im gemütlichen Hafen den besten Platz für nur EUR 10,-- ergattern ist die Welt wieder in Ordnung. Das Unwetter hat in der Nähe zugeschlagen. Wecken um vier, wir wollen ganz früh auf den Königstuhl. Eine SMS: Der kleine Sohn aus Sydney ist vom Sonnenaufgang begeistert, bei uns geht sie gerade unter. Der Spaziergang am Fuße der Klippen ist beeindruckend, das Hordenvolk ist noch nicht unterwegs. Als wir den geadelten Platz dort oben verlassen wird gerade das Kassiererhäuschen geöffnet. O,25 Ost-Blech hat der Blick früher gekostet, heute EUR 1,--, O-Tarif bis Neun. Die ersten Busse sind da. Der Rummel beginnt. Auf dem Rückweg oben durch den herrlichen Wald begegnen wir nur nahe Lohme die ersten Wanderer. Ich möchte heute noch nach Vitt, abends mit den Fischern feiern. Der dicke Fischverkäufer war ein lustiges Unikum, wenn er auch auf meine Frage, wo er denn die vielen Butterfische gefangen hätte etwas sauer reagierte. Nach der Anlandung mit Hindernissen stellten wir fest, dass auch hier die Läden hochgeklappt werden, wenn das Tagesvolk verschwunden ist. Wir verziehen uns nördlich und ankern im skurrilem Umfeld, der Steilwand unterhalb der alten Slawenfestung. In Vitt soll damals der alte Hafen gewesen sein. Die Wellen laufen um das Kap herum und es wird eine gruselige Nacht. Am nächsten Tag muß Höhe gelaufen werden, denn ich will die Küste westwärts ohne Kreuzen passieren. Das geht nur, wenn das Steuerbordschwert unten ist. Bis hierher ging es ohne. Im Winter hatte ich mir ein neues Handling ausgedacht, denn die Bedienung meiner klappbaren Schwerter sind ein Problem. Die Ankerwinsch soll hierzu eingesetzt werden. Der Zug reicht nicht und komme ich auf die fatale Idee, die Schotwinsch hintendran zu hängen. Zack, die Welle der Ankerwinsch ist ab, und zukünftig darf ich per Hand den Anker holen. Ich trete das Schwert, das durch den Bodenluk zu erreichen ist, mit dem Fuß fast vollständig herunter und wir können locker die notwendige Höhe halten. Schwert-hoch klappt leider auch nicht wie geplant, die Aufwickelvorrichtung achtern hat Schwächen. Hier ist noch einiges verbesserungswürdig (Erfahrungsträger mit einer solchen Maschinerie sollten freundlicherweise Hilfestellung leisten). Das Schwert ist mittels Schotwinsch wieder oben, Kurs Hiddensee-Kloster liegt an. Unser schöner Fähranleger ist total belagert, also wieder in die Klintoris-Bucht, dieses Mal mit Ortskenntnissen. Dort liegen auch bereits jede Menge kleinerer Boote, eine ganze Landungsflotte. Also etwas weiter draußen ankern und etwas länger rudern. Am Horizont taucht ein Kat auf. Es ist Daniel aus Halle mit Caytanya, eine Bader Advantage 44. Wir klönen und grillen am nahen Binnenstrand. Der vorher erkundigte Zugang zur Seeseite ist per Rad eine Minutensache, der mit Buhnen vernagelte Sand ist gewöhnungsbedürftig, man ist halt verwöhnt.
5.8., Zingst liegt querab. Wir laufen unter Groß und Spi, leider nicht mehr lange, der Spi tanzt und eine Übung wie in MH-Nr.110,S. 28 beschrieben ist fällig. Am Horizont wird es dunstig. Die erste Untiefentonne steuern wir noch mittels Seekarten-GPS direkt an. Ein milchiges Segel huscht auf Gegenkurs vorbei. Auf den Rammkurs zur zweiten Tonne wird verzichtet. Das Nebelfeld an der Darßer-Spitze war viel dichter und umfangreicher als erwartet (siehe auch MH-Nr. 91, S.35). Sollte man doch ein Radar kaufen? Das Handy bewährt sich. Renate Keller, Autorin vieler MH-Berichte (z.B.MH101,S.28), steht mit dem Rad auf den Beton-Schwimmstegen im Yachthafen Warnemünde Hohe Düne. Bis Mitternacht wühlen wir uns durch Budengassen, denn es ist Hanse-Sail. Tags darauf stehe ich auf der obersten Sprosse der Leiter und halte mich am Mast fest. Hier habe ich die beste Aussicht auf die Auslaufparade. Danach machen wir vor den Hafenmolen noch ein paar Schläge durch das Feld und weiter geht es nach Rerik, wo ein Zwischenstopp von neun Tagen eingelegt wird, wir haben ja einiges an Badeurlaub nachzuholen und außerdem sind die Brombeeren reif. Bei kräftigem Wind aus Südwest liegen wir am 19.8. ankernd in Großenbrode. Das rote Kielboot dort hinten ist im Begriff auf die Hafenmole zu treiben. Der Anker hält nicht und der Skipper schläft anscheinend. Gerade als wir per Handy eine Rettungsaktion einleiten wollen (ein Hoch auf Sejleren’s Hafenbeschreibungen), wacht der Skipper auf. Glück gehabt! Wir haben auch etwas Glück und bleiben auf unserem bewährten Ankerplatz hinter Orth nicht hängen. Letztes Jahr hatten wir genug Wasser unter dem Kiel, jetzt ist es deutlich weniger, ich muss die Außenborder hochbinden, die Schrauben drehen im Dreck. Am Morgen ist noch weniger Wasser da, und ich gehe wegen der Steine sicherheitshalber vor dem Boot spazieren um in tieferes Wasser zu gelangen, hierbei wird nicht einmal die Badehose annähernd nass. Durch das Studium der E-Seekarte durch meine Bordfrau finden wir den vorzüglichsten Ankerplatz in Heiligenhafen, mit naher Benzin- und Flohmarktversorgung. Im Warngebiet Todendorf zeigt der Spinnaker nochmals, daß die Bezeichnung Brüllaker berechtigt ist. Der Wind hat aufgebrist und Manöver s.o. kommt nicht in Frage. Zusammengedreht als Restballon laufen wir in die Schleuse Holtenau und klarieren das morgens im Flemhuder See.
Unser nächstes Ziel ist Elsfleth. Ich habe mich auch brav mit dem Meldeformular angemeldet und auch noch mit Claas geschnackt, da kam im Gieselaukanal per Handy die Nachricht, dass auf meinem Winterlagerplatz ein Katamaran gebaut wird, wodurch das Revier Unterelbe für die restliche Urlaubszeit gegen das der Weser getauscht wurde. Evtl. könnte sogar unser Verein von dieser Kursänderung profitieren. Als ich am 11.9. einhand in den voll belegten Stader Hafen festmache, treffe ich Burghard, der mit seiner Wiking Saga das Hafenfest aufwertet. Beim Kaffee erfahre ich, daß er sogar mit Heiner und wenigen Getreuen (wer sind die?) den Verein gegründet hat. Sofort habe ich die MH-Ausgabe Nr. 96, Seite 32 (s.auch MH.Nr.107 S.21) zur Hand und versuche ihn zum Wiedereintritt zu bekehren. Die paar Berichte würde er doch locker bei seinem Vorhaben mit der neuen Proa aus dem Ärmel schütteln und einige Bilder mit dem König von Tonga dürften auch dabei sein. Der kleine Sohn meldet sich von Bord TABOO III, er segelt und taucht mit seiner Freundin, einem Yachtredakteur und Wolfgang Hausner in Indonesien. Wir warten jetzt auf die Januar-Yacht-Ausgabe (?) und den neuen Urlaubstörn ab Mai 2005.
Was ging kaputt?
- 17.5. Nav.Fehler, Scherstifte Ruder verbogen
- Falscher Knoten, Lazy-Leine löst sich von oberer Saling
- 19.5. Computer-TV defekt, Hardwarefehler
- 28.5. Spi-Fall rauscht aus, Bedienungsfehler
- Zwei Kugeln vom Frederiksen-Mastrutscher fallen zu Boden, Bolzen war nicht gesichert
- Bruch im Kunstoffteil Großfallblock mit Reffkurbel abgerutscht, rechtes Handgelenk verstaucht, Schmerzen für gut 6Wochen
- 5.6. Bruch Bautenzug Gangschaltung
- 12.6. Zwei Relingstützen lose (siehe Text)
- 18.6 dünne Fall-Nachziehleine wird im Masttop herausgeweht, verheddert sich im Großfall
- 2.8. Bruch Welle Ankerwinsch (siehe Text)
- Riss Holevorrichtung Steuerbord-Schwert
Autor: Erwin Ramin

