Kat oder Tri? 5 Tailer-Multihulls
Hansjörg Hennemann vergleicht 5 Trailer-Multihulls
Im Februar dieses Jahres hat sich im Golf von Morbihan an der französischen Atlantikküste eine Handvoll Segler getroffen, um ihre Boote - allesamt Trailer-Multis - zu vergleichen. Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Typ Multis, die in der Nische zwischen kleinen nassen Strandkats und richtigen großen Mehrrümpfern siedeln, scheinen, nachdem sie oftmals tot gesagt waren, auf einmal ein Revival zu feiern. Mit von der Partie waren: drei Trimarane (Corsair Sprint 750, Multi 23 und Tricat 23.5) sowie zwei Katamarane (Bicok und V8). Aus dem reich bebilderten zehnseitigen Vergleichsbericht aus der Voiles&Voiliers 4/2009 seien hier einige zentrale Aussagen frei übersetzt und zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis |
Straßentransport sowie Auf- und Abriggen
In diesem Punkt rangiert der Corsair-Tri im Vergleich mit Bestnoten unangefochten vorne. Denn entsprechend der Corsair-Philosophie gehört Trailer-, Bootsaufbau- und Slip-Komfort zum Gesamtpaket “Trailerboot”. Nur beim Corsair sind für den Einhand-Aufbau und -Abbau alle entsprechenden Hilfsmittel ab Werk vorgesehen. An zweiter Stelle folgt in Sachen Trailierbarkeit der Tricat 23.5 mit seinen einschiebbaren Alu-Rohren, die den Tri auf dem Trailer im Handumdrehen schmal oder breit werden lassen. Weit abgeschlagen rangieren der Multi 23 und die beiden Kats, für die teilweise die Trailerlösungen erst noch erfunden werden müssen. Bei diesen drei Booten sind derzeit also viele zupackende Hände und auch etwas Improvisationstalent gefragt.Ein Wort noch zu den Tris: Der überaus elegante Multi 23 mit seinen hochgelegenen Armen erinnert an einen ORMA-60-Tri und präsentiert sich in erster Linie als rassiger Day-Sailer, der zwar demontierbar aber eigentlich für das statio- Kat oder Tri? Hansjörg Hennemann vergleicht 5 Trailer-Multihulls näre Segeln vorgesehen ist. Demgegenüber versuchen Tricat 23.5 und Sprint alle drei Facetten gleichzeitig bedienen zu wollen, nämlich einfache Trailierbarkeit, flotte Segeleigenschaften und Tourentauglichkeit – und dabei schlagen sie sich nicht mal schlecht.
Tourentauglichkeit
Auch hier liegen die Tris mit ihren relativ großen Schlupfkabinen im Bug im Vergleich zu den Kats mit ihren konstruktionsbedingt schmalen Rumpfkabinen vorne. Bei allen fünf Multis kann die Tourentauglichkeit mittels Zelten bedeutend aufgewertet werden: Die Tris mit simplen Zwei-Mann-Zelten auf den Trampolinen, die Kats mit speziellen und deshalb aufwendigeren Zeltkonstruktionen. (Eine Nebenbemerkung: Wer in der Corsair- Familie vom Sprint auf den gleichlangen Dash 750 ausweicht, kann den mit Abstand größten Wohnwert sein eigen nennen.) Die Tris bieten insgesamt weniger, aber dafür breitere Kojen als die Kats. Punkten kann der Bicok aufgrund einiger pfiffiger Details (z.B. begehbare Stufe am Heck und eine raumspendende Persenning) sowie der V8 aufgrund der Festkiele.
Denn mit Blick aufs Touren ist zu bedenken, dass gerade auf Booten, die mit tiefgehenden Steckschwertern à la Corsair und Bicok ausgestattet sind und die deshalb ohne großen Aufwand auf allen Kursen Geschwindigkeiten im zweistelligen Bereich erreichen können, bei unfreiwilligen Grundberührungen schnell Not am Mann ist. Der schöne Schwan Multi 23 kann mit seinen eleganten Rundungen hier nur wenig überzeugen; ganz nach dem Motto: wer schön sein will, muss beim Touren leiden.
Segeleigenschaften und Segelkomfort
Der Kat V8 mit seinen invers geneigten Bügen sowie seinen futuristischen kantigen Nieder gangsluken und der Tri Multi 23 (als einziger mit textilem Rigging im Test) präsentieren sich auf den ersten Blick weitaus rassiger als ihre drei Wettbewerber (die Franzosen sprechen im Test von einem “Kämpfer in Wartestellung“ (V8) und von “deliziösen Formen” (Multi 23)). Von der Optik her sind diese beiden also die schnellsten Boote! Allerdings spielt neben der Optik, vor allem auch die reinen Größenunterschiede der Boote eine Rolle. Der V8 ist mit 8,00m das längste und der Bicok mit 6,28m das kürzestes Boot. Weiterhin ist zu beachten, ob die Boote mit Senkschwertern oder Festkielen, drehbaren oder starren Masten, Touren- oder High-Tech-Segeln und mit schweren und festen Brückendecks oder mit leichten Mesh- Trampolinen ausgerüstet sind; bepackt waren alle fünf Boote einigermaßen gleich.
Bis 10 Knoten wahrer Wind (und viel mehr gaben die Testtage leider nicht her) segelten alle Wettbewerber - je nach optimalen Kurs zum Wind - etwa Windgeschwindigkeit. Am Wind lagen die Tris meist deutlich vorne, bei raumen Kursen zwar auch noch, aber nicht so eindeutig. Hier konnte erwartungsgemäß vor allem der Multi 23 punkten, der immer nur auf zwei Schwimmern segelt (oder steht, was fürs Touren wegen der Schaukelei als störend empfunden wurde). Dann folgt der Corsair, danach der Tricat und erst dann die beiden Kats, wobei sich die Festkiele des V8 als besonders nachteilig hoch am Wind erwiesen.
Denn gerade in engen Gewässern, wo viele Manöver gefahren werden, sind kleine Wendewinkel und ein gutes Wiederanspringen auf dem neuen Bug der Garant für Segelspass und da liegen die Tris konstruktionsbedingt vorne. Um auf den Anfang zurückzukommen: Schnell auszusehen (wie der Kat V8), reicht also nicht immer, um auch vorne mitzusegeln. Aber aufgepasst, jetzt ein paar Worte zum Segelkomfort: Um ganz vorne mitzusegeln, muss der Multi 23 sehr aktiv gesegelt und getrimmt werden. Konkret: die Crew muss dann in Masthöhe außen auf dem Luv-Schwimmer sitzen und mit dem überlangen Stick steuern, also dort wo es schnell nass wird (ganz ähnlich wie auf dem V8). Wer auf dem Corsair, dem Tricat oder dem Bicok segelt,Admin kann das große Cockpit wenigstens auch nutzen ohne hinterher zu segeln!
Preise
Der formschöne in China gebaute Tri Multi 23 führt mit einem Basispreis von 25 TEU (ausgerüstet: 30 TEU) die Preisliste an. Der Corsair ist das mit Abstand teuerste Boot des Vergleichs: 58TEU (ausgerüstet unter anderem mit Trailer: 66 TEU). Der Tricat 23.5 liegt mit 35 TEU (ausgerüstet: 41 TEU) dazwischen. Der “kleine” Kat Bicok kostet 30 TEU (ausgerüstet: 35 TEU), der “große” Kat V8 ist für 45 TEU in der Basisversion zu haben, ausgerüstet kostet er 49 TEU. Diese Preisangaben sind bitte nur als grobe Orientierungswerte zu verstehen. Denn gerade bei “kleinen” Booten schlagen sich die persönlichen Ausrüstungswünsche der Eigner preislich ganz besonders stark nieder.
Fazit
Gemeinsam ist allen fünf Flotillenteilnehmern, dass sie einer “Größenklasse” angehören. Ansonsten aber dominieren die konzeptionellen und optischen Unterschiede, weil einfach unterschiedliche Käuferwünsche bedient werden wollen. Der elegante Tri Multi 23 z.B. zielt ganz offensichtlich auf eine Käuferschicht ab, der rassige Linien und überdurchschnittliche Segeleigenschaften wichtig ist. Bicok oder Tricat 23.5. sollen eher Segler ansprechen, die es lieber praktisch haben wollen. So gesehen ergab das Treffen weder einen klaren Gewinner noch Verlierer. Der Sprint erscheint zwar auf den ersten Blick teuer, er bietet dafür aber ein recht ausgereiftes und hochwertiges all-round- Leistungspaket ohne wirkliche Schwächen (ist aber auch das schwerste Boot). Wer eher spezielle Anforderungen hat, könnte im Bereich der anderen vier Multis fündig und glücklich werden.
Oder aber – Achtung, jetzt wird’s unübersichtlich - er schaut sich bei Virus die Geschwister des V8-Kats an: die Trimarane Magnum 18, 21 oder 21.S. Daneben bietet Tricat zusätzlich zum 23.5 noch einen 22- und einen 25-Füßer an. Oder er schaut sich bei Corsair um, die Multis von 20 bis 50 Fuß anbieten und die mit etwa 2.000 Einheiten „Pocket- Multi-Weltmarktführer“ sind. Dann gibt es noch die Astus-Trimaran-Familie: 14.1, 16.1, 20.1 und 22.1 (www.astusboats.com). Wem ein Corsair- oder ein Astus-Tri besonders ins Auge sticht, kann sich gerne mit unseren Vereinsmitgliedern Werner Stolz (www.corsair-germany.com) und Christoph Wentland (www.yacht-netze.de) in Verbindung setzen, die diese Bootstypen importieren. V8 (www.virusboats.com), Bicok (www.multiraid.com), Multi 23 (www.multisailing.com), Tricat 23.5 (www.trimaran-tricat.com) und Corsair (www.corsairmarine.com).
Diverses
Unter www.trispeedcup.fr werden Treffen von trailertauglichen Multis organisiert (siehe Vergleichstest oben). Sicher eine einfache Möglichkeit, neue Kats und Tris zu Gesicht zu bekommen und vielleicht auch zu erproben.
Lady Hawke - Italian Cats
Lady Hawke baut seit 1998 Katamarane zwischen 20 und 37 Fuß. Neben Entwürfen für die Eric Lerouge (LH 33 cabin) verantwortlich zeichnet, hat auch Firmenschef Agrusto interessante Kats gezeichnet. Auf einer 37 Lady Hawke Cabrio (= oben bridge deck), die mich stark an die alten Edel-Kats erinnert hat (schnörkellos, gradlinig und demontierbar), konnte ich einmal mitsegeln und denke noch heute gerne daran zurück: www.lhcat.com
Minicat 37kg
- aufblasbares Beiboot -
Für seine 37kg bietet der aufblasbare Minicat
mit seinen 4 qm Segelfläche eine ganze
Menge: praktisches dynamisches Dinghi und/
oder einfach kofferraumtauglicher Spaßsegler.
In seiner Rucksack-ähnlichen Packtasche
ist der Minicat leicht zu transportieren und
nimmt selbst auf einem Trailer-Tri nicht zuviel
Platz ein. Eine Alternative zum typischen
Mono-Schlauchboot-Dinghi mit 3,5PS? www.minicat-uk.com
BIC 245
- Hart-Beiboot mit Rollen -
Mit etwa 100.000 gebauten Beibooten auf
Kat-Basis ist das weiß-orange Tabur-Dinghi
vielleicht keine wahre Augenweide, wohl aber
der meistgebaute Kat weltweit. Für 499€ steht
nun nach 30 Produktionsjahren der überarbeitete
PE-Nachfolger BIC 245 (39kg) bereit:
www.bicsport.com
Mitsegeln auf ORMA-60-Tri
Erst hat die Route du Rhum 2002 (zu) viele ORMA-Tris zu Kleinholz verarbeitet, jetzt hat die Wirtschaftskrise der kränkelnden Klasse vollends den Garaus gemacht. Pech für die einen, Glück für die anderen? Die französische Firma Sensatin Océan (www.sensationocean. com) bietet nun sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen Mitsegelmöglichkeiten auf den Tris Foncia und La Trinitaine an. Der Halbtagestörn soll 480€, der Tagestörn 1.220€ kosten. Dabei handelt es sich nicht um Kaffee- Segeln – Seefestigkeit. Fortgeschrittene Segelkenntnisse und aktives Mitsegeln sind absolute Voraussetzung, Selbststeuern ist quasi garantiert.
In eigener Sache: Wer tiefergehendes Interesse hat, kann sich mit Blick auf ein gemeinsames Mitsegeln gerne mit mir in Verbindung setzen: hj.hennemann@tonline.de

