Katamaran SHAMBALA
Mit Korsar und Finn Dinghy bin ich aufgewachsen, habe später einige Törns auf Katamaranen und Dickschiffen gemacht, bis 1997der Erwerb des eigenen Kats anstand, um seit 2000 die Winter in der Karibik zu verbringen.
Keines der gebrauchten wie neuen Boote wollte mir damals (wie heute – Ausnahme Gunboat) so recht gefallen, so dass ich mich als Autodidakt mit viel technischer Erfahrung daran machte, den eigenen Katamaran zu entwickeln. In der Balticat Werft fand ich mit Stefan Hüttermann einen Partner, der bereit war mein Konzept auf der Basis seiner vorhandenen Rumpfformen umzusetzen.
Für einen Prototypen hat Shambala (14 x 7,2 m) eigentlich auf Anhieb erstaunlich gut funktioniert, obwohl natürlich im Laufe der Zeit entsprechend der Erfahrung und der Bedürfnisse des Langfahrtseglers vieles noch optimiert werden konnte. So ist der Kat heute insbesondere nach einer Neulackierung weit besser als zum Stapellauf. Einige von mir mit Mitarbeitern in der Werkstatt der Wackerfabrik (www.wackerfabrik.de) gefertigten Besonderheiten Shambalas möchte ich hier darstellen.
Mittelschwert
Da Fahrtenkatamarne mit Kielflossen zum Kreuzen insbesondere in Strömungsrevieren wie der Karibik einfach nicht zu gebrauchen sind (sie motoren ausschließlich, während wir jedes Jahr von Curacao nach Grenada oder den Virgins gesegelt sind) war nur ein Schwert – Kat denkbar. Um dieses Prinzip zu optimieren, wurde von mir ein Mittelschwert entwickelt, wie es (meines Wissens) so noch nie auf einem Katamaran verwirklicht wurde. Die Berechnungen zu dem Schwert wurden von den Yachtdesignern Roeper und Blümel durchgeführt. Das Schwert (Tiefgang 2,8 m) ist verstagt auf einer Querachse unterhalb des Mastschotts drehbar gelagert, so dass es sich entlang der Schiffslängsachse vor und zurück bewegen sowie nach vorne ganz aus dem Wasser holen lässt. Darüber hinaus ist es entgegen der Fahrtrichtung wie ein Ruder nach beiden Seiten hydraulisch bis zu 12° anstellbar. Das Schwert wird über 3 Leinen bedient. Über Vor- und Achterholer wird es in seiner Position in Schiffslängsachse fixiert, der Aufholer hebt es bei Nichtgebrauch aus dem Wasser. Über zwei Handpumpen im Cockpit lässt sich hydraulisch die Anstellung einstellen.
Die Konstruktion ist robust und hat sich bestens bewährt, über Grund sind nach GPS Wendewinkel von 90 Grad bei 8 kn erzielbar, für einen Fahrtenkatamaran ein Traumwert. Die Vorteile dieses Systems:
- Nur ein Schwert, einfachere Bedienung, wesentlich
weniger Gewicht
- Bei jeder Beseglung lässt sich ein ausgeglichener
Trimm erzielen, selbst nur mit Genua, Fock oder Sturmfock lässt sich kreuzen, indem das Schwert entsprechend nach vorn getrimmt wird.
- Die Anstellbarkeit lässt die Rümpfe gerade
durchs Wasser fahren, was die Kreuzeigenschaften wesentlich verbessert.
- Da keine Reibung im Schwertkasten besteht,
lässt sich das Schwert auch unter vollem seitlichen Druck bedienen.
- Keine Schwertkästen (Gewicht!) in den
Rümpfen, keine Wirbel an den Schwertkästen bei auf geholtem Schwert.
- Kein Klappern oder Verklemmen der
Schwerter, kein Bewuchsproblem, kein Antifouling.
- Keine gravierenden Schäden bei Grundberührung,
da das Schwert nach hinten wegklappen kann.
Maschinenanlage und hydraulische Antriebe
Das Energiezentrum Shambalas ist ein unverwüstlicher VW Golf Diesel Motor (1600 ccm, 54 PS, 1999 generalüberholt), der in einer Schalldämmkpsel unter der achternen Backbordkoje untergebracht ist.
An ihn sind für den Antrieb zwei Mannesmann Rexroth Verstellpumpen angeflanscht, die elektromagnetisch über die Fahrhebel angesteuert werden. An jeder Rumpfinnenseite ist ein abklappbarer Mannesmann Rexroth Hydraulikmotor mit direkt aufgesetztem 2 flügeligem 18 x 12 Propeller angeordnet. So lässt sich über die Fahrhebel stufenlos die Drehzahl der Propeller in Relation zur Drehzahl des Motors zwischen voll voraus - null – voll zurück variieren. Über Manometer kann man die Kraftentwicklung jeder Schraube einschätzen.
Die Antriebe werden mittels zweier Antal Travellerversteller mit einer Winschkurbel am Steuerstand auf und ab bewegt. Sie sind komplett aus Edelstahl V4A – 1.4571 gefertigt und somit unverwüstlich.
Die Hochdruckpumpe für den Wassermacher ist über eine elektromagnetische Kupplung mit dem Motor verbunden, kann bis etwa 2000 UpM mitlaufen und ist vom Steuerstand aus zuschaltbar. Der Tauchkompressor kann nur bei Stillstand über eine Steckkupplung mit der Maschine verbunden werden. Er kann bis etwa 1600 UpM mitlaufen. Die Vorteile des Antriebssystems: In Segelstellung sind die Propeller unter dem Brückendeck – kein Widerstand, keine Beschädigungsmöglichkeit durch Treibgut oder Fischerleinen, kein Bewuchs, kein Antifouling, keine Abdichtprobleme, keine Wassereinbruchmöglichkeit bei Beschädigung, im Reparaturfall muss das Boot nicht aus dem Wasser.
Nur ein Motor, die halbe Wartung. (natürlich haben zwei Motoren einen Sicherheitsvorteil, doch hat zum einen jeder Einrumpfer auch nur eine Maschine, zum anderen gibt es keinen Grund warum ein Diesel bei vernünftiger Wartung plötzlich ausfallen sollte). Bei einer herkömmlichen Anlage, sei es Saildrive oder Welle kann durch eine dickere Leine oder ein Fischernetz im Propeller, was zu einem abrupten Stopp führt, insbesondere bei Vollgas das Getriebe, die Kupplung, die Wellenanlage oder die Faltpropeller zerstört werden. Das bedeutet erhebliche Reparaturkosten und längeren Aufenthalt an Land.
Beim Hydraulikantrieb spricht nur das Überdruckventil an, es besteht keinerlei Beschädigungsmöglichkeit. Auf Shambala muss bei einer Leine in der Schraube (war ca. 10 mal in den vergangenen 10 Jahren und 30.000 sm der Fall) lediglich der Antrieb hochgekurbelt und der Propeller durch ein Schraubluk im Cockpitboden frei geschnitten werden. Da muss keiner evtl. bei Sturm und Seegang ins Wasser.
Durch die stufenlose Übersetzung kann bei Teillast die Drehzahl erheblich reduziert werden. So werden 7 kn Marschfahrt bei Flaute schon mit 1500 UpM erreicht. Das bedeutet, dass auch alle Zusatzaggregate wie Wassermacher und Tauchkompressor bei Flautenbetrieb mitlaufen können. So ist eine hocheffiziente Energienutzung gegeben, da zudem der Generator für die Bordbatterien
140 A liefert. Dasselbe gilt wenn man es bei wenig Wind eilig hat und die Geschwindigkeit erhöhen will. Wenn man bei 7 kn Wind 4 kn auf halbem Wind läuft, so kann man den Kat mit Motor und 1300 UpM auf 8- 9 kn bei vorlichem Windeinfall bringen.
Shambalas Maschine kann also immer unter Vollgas mit optimalem Drehmoment laufen. Die Drehzahl wird bei konstanter Fahrt eingestellt indem über die Fahrhebel das Übersetzungsverhältniss geändert wird.
Bei Manövern bedient man mit einer Hand den Gashebel, mit der anderen die beiden Fahrhebel. Wenn man beim Anlegen sehr feinfühlig arbeiten muss, stellt man mit dem Gashebel die Maschine auf 2500 UpM und arbeitet nur mit den Fahrhebeln.
Dinghylift
Für das neue und schwerere Dinghy stand 2004 ein Ersatz der zu schwachen Davits an. Das Aufholen eines größeren Dinghys mit kräftigem Motor über 2 Taljen erfordert 2 Personen und kann schon recht mühsam sein. Anschließend muss es fürs segeln gut verzurrt und gegen schamfielen geschützt werden. So war bald die Idee geboren, es von unten aus dem Wasser zu heben. Bekannte hydraulische Konstruktionen sind viel zu schwer und kamen nicht in Frage. So laminierte ich ein leichtes (7 kg) Gestell aus Surfmasten und entwickelte eine Leinenführung zur Elektrowinsch. Diese ist über einen Taster am Travellerschott zu bedienen. Man fährt das Dinghy über das Gestell, hält sich am Travellerschott mit beiden Händen fest, dirigiert mit den Beinen das Dinghy in die richtige Position, drückt den Taster und fährt sich nach oben. Da das so schnell und einfach wie das festbinden des Dinghys funktioniert, wird der Lift auch zum Be- und Entladen immer benützt.
Nach 10 Wintern auf Shambala in der Karibik und unvergesslichen Törns zwischen Venezuela und den USA wollen wir nun einige Reisen über Land unternehmen, so dass wir daran denken, Shambala ab zu geben. Wer Interesse an dem Kat hat, sei es Erwerb, Eignergemeinschaft oder Langzeitcharter kann sich unter www.katamaran-shambala.de informieren.




















