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Multihulltour 2006 in Frankreichs Westen

Hansjörg Hennemann und Wolfgang Sorg finden fast nur Massenware über 10 Meter

Multihulls unter zehn Meter Länge sind offensichtlich kaum mehr gefragt; zumindest gebaut und verkauft werden sie immer seltener.

Eine fünftägige Erkundungstour zusammen mit Wolfgang Sorg entlang der französischen Atlantikküste mit Stopps in Bordeaux, La Rochelle (Port des Minimes), Les Sables d'Olonne, Le Crouesty und la Trinité-sur-Mer Mitte Oktober lässt uns, was die kleinen Mehrrümpfer angeht, eine düstere Bilanz zie- hen: trailer- oder wenigstens demontierbare Multihulls scheinen im Land der La- goons, Nautitechs, Fountaine-Pajots und Catanas vom Aussterben bedroht. Selbst in Riesen-Marinas wie in la Rochelle, nahe dem französischen Multi-El-Dorado gelegen, dümpelt nur vereinzelt eine Corneel 26, ein Phaeton, ein F27 und eine KL 28 an den Kopfenden der Schwimmstege ­ und die haben meist schon 15 Jahre und mehr auf dem Brückendeck.

Zwar haben wir in Les Minimes je eine brandneue Aventura vom Typ 23, 28 und auch 36 Typ gesehen, aber die waren wohl noch von der Messe (Le Grand Pa- vois de La Rochelle) Mitte Oktober übrig und suchten sicherlich noch händerin- gend einen Käufer. In etwa das gleiche Bild auf den Sandbänken des Bassin d'Arcachon: hier und da ein von Patina überzogener Piver-Tri und ein Speed 770 ­ von neueren Entwürfen keine Spur! Woran mag es liegen, dass sich in Sachen kleiner Multis so wenig tut und die auf Ausstellungen und Messen gezeigten Modelle oder Entwürfe nicht realisiert werden?


Zum ersten sicherlich an den fehlenden Liegeplatzkapazitäten fast aller (französischen) Sportboothäfen. Die Verantwortlichen von La Rochelle z.B. setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um den bestehenden etwa 5.000 Plätzen weitere 1.500 hinzuzufügen; nicht zu- letzt, weil Bootseigner, -hersteller und -händ- ler über Interessenvertreter den Hafenverwal- tungen gehörigen Druck machen.

An neuen Booten mangelt es ja nun wirklich nicht: Die Stege sind brechend voll brandneuer Dufours 365, Sun Odysseys 45, Cyclades 39.3 für's Cruisen. Die neuen Entwürfe Archambault A35 und A40 liegen genauso wie die Grand Surprises und Pogos 8,50 gleich im Dutzend nebeneinander und warten auf ihren Einsatz bei Firmen-Regatten oder bei ambitionierten Segel- und Regattaschulen. Rein liegeplatz- technisch wird allerdings jeder Kat-Eigner vor unlösbaren Problemen stehen, ein Plätzchen für sein Schätzchen zu ergattern.

Zum zweiten - und das ist wohl entscheidend - sind es wirtschaftliche Gründe, die gegen die kleinen Multis sprechen. Ein Mehrrümpfer verursacht, was Entwicklung und Pro- duktion angeht, fast das Doppelte an Kosten wie ein Mono gleicher Länge - damit ist die Nachfrage im Marktsegment der Privatboote von 7 bis 11 Meter begrenzt. Anders bei den großen Kats, hier ordern die Vercharterer ganz andere Stückzahlen als Monsieurs Dupont und können die höheren Kosten über die Chartergebühr erwirtschaften. Große Kats haben wir eine Menge gesehen, aber eben ,,nur" die Großserien-Kats Nautitech 44, Dean 441, Leopard 43, Lagoon 42, Eleuthera 60 und Privilège 615! Und selbst der Kleinste unterden Großen, die neue Mahé 36, wartet erwartungsvoll auf ihren Einsatz im Chartergeschäft.

Große luxuriöse Kats für Privateigner dürften zudem besonders attraktive Margen zulassen. Anders konnten wir uns die offensichtlich unter privater Flagge fahrende Privilège 745(!) in Les Sables nicht erklären. Angesichts der unübersehbaren Menge an Kats aus der Großserienproduktion über zehn Meter Länge, sind wir skeptisch, ob die wenigen neuen Entwürfe (Trailer-Tri Bandit 800 von Pierre Rolland, BMS 33 und Triptyque 26) jemals zweistellige Stückzahlen erreichen. So gesehen, war unsere Boote-gucken-Tour eher ernüchternd. Den einzigen farbenfrohen Lichtblick, der inmitten des französischen weißen Einheitsbreies aufleuchtete war ein super-sportlicher Kat mit großer Nacelle und der stammt ausgerechnet aus ... Deutschland! Makellos gebaut, beneidenswerte Detaillösun- gen, aufsehenerregendes Design, vielleicht mit einem zu geringen Freibord unter dem Decks- haus. Bon vent WINDSWEPT!

Bilder Nachwuchs von Fountaine Pajot, Mahé 36 Flagschiff von Fountaine Pajot, Eleuthéra 60, Von der Stange, Dufour, Nautitech 40 Wem's gefällt, Go-Catamarans, Aventura 36 Immer noch heiss, Orma-Tri Gitane II Aus Deutschland, Cat Windswept

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