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Refit: EDEL 33 - Oldie but Goldie

Refit: EDEL 33 - Oldie but Goldie
Erfahrungen beim Gebrauchtbootkauf machte auch Heiko Götte

Jüngst kaufte ich mir über die Agentur Cat Sale von unserem Regionalobmann für Niedersachsen eine 18 Jahre alte Edel 33. Anknüpfend an die derzeit laufende Diskussion über Gebrauchtboot(ver)käufe möchte ich über meine ganz persönlichen Erfahrungen berichten.

Der Preis war für ein Schiff dieses Alters recht hoch, er erschien jedoch aufgrund neuwertiger Einbaudiesel, fast neuer und einem zusätzlichen Satz alter Segel, zweier neuwertiger Gennaker, Ersatzruder, neuer Instrumente, neuem Trampolin und einer Gasheizung gerechtfertigt. Optisch dagegen bedurfte es äußerlich einiger optischer Auffrischungen. Innen war das Boot dem Alter entsprechend ,,verwohnt". Das hatte wohl bis dahin den ein- oder anderen Kaufinteressenten abgehalten.

Als generellen Tip kann man Verkäufern daher empfehlen, ihre Boote optisch in Ordnung zu bringen, aufzuräumen und ihre persönlichen Habseligkeiten von Bord zu schaffen, bevor ein Kaufinteressent sich das Boot ansieht. Viele Kleinigkeiten sind mit wenig Aufwand zu beheben. Stimmt die Optik / der Gesamteindruck nicht, schreckt das viele potentielle Käufer ab. Das Boot verkauft sich dann nur über den Preis.

An diesem Schiff waren von den Voreignern einige Modifikationen vorgenommen worden, die ich größtenteils wieder rückgängig mach(t)e.

Innenraum
Das Design der Polsterstoffe entsprach nicht mehr den aktuellen modischen Trends und war schon recht abgewetzt. Durch Lagerung an Bord war der maritim blaue Bezüge nähen lassen und den Polsterschaum ersetzt. Aber bitte keinen billigen Schaumstoffe verwenden, das merkt man sofort beim ersten Hinsetzen.

Kojenpolster beziehe ich seit einigen Jahren über die gesamte Saison mit Inkontinenzbettlaken unter dem normalen Bettbezug. Wenn jemand jetzt vergißt, eine Luke zu schließen, saugt sich nicht sofort die ganze Matratze voll Seewasser.

Die Verkleidungen der Decken und Wände aus offenporigem Schaum und Kunstleder waren spackig. Diese zu entfernen war echte Sträflingsarbeit. Mit Innenraumdekor aus Capaflock wurde jetzt eine optisch ansprechende, leicht strukturierte aber geschlossene und damit hygienische Oberfläche geschaffen.

Wandverkleidungen, Handläufe, Regale, Niedergänge und Möbel aus Holz waren abgegriffen, grau oder angefault. Wenn diese abgeschliffen und neu lackiert Undichtigkeiten an Luken und Fenstern können Verkleidungen leicht verfault sein - das merkt man aber nicht auf den ersten Blick. Genau hinsehen!

An Bord befand sich eine teils abenteuerliche 220V-Installation vom ersten Eigner. Die gesamte 12V-Anlage war im Rahmen des Einbaus der Maschinen modifiziert worden - leider nicht ganz fachgerecht: Akkus standen lose, es war kein Batterietrennschalter vorhanden, Kabel waren lose freifliegend verlegt usw. Daran hat sich ein Elektriker zwei Wochen lang ausgetobt. Die Gasanlage war nach dem halbfertigen Einbau einer Heizung nicht mehr abgenommen worden. Alle Gasverbraucher müssen fest montiert sein, die Flasche gehaltert. Druckminderer und Anschlußschlauch dürfen höchstens 6 Jahre alt sein. Der Lagerraum für die Flaschen muß eine Entlüftung am Boden haben.

Bei Installation der Maschinen wurden Dieseltanks mit Bauschaum befestigt und Abgasleitungen aus Kunstsoffschlauch freifliegend verlegt. Ein Vorfilter sowie Absperrhähne fehlten. Einer Prüfung durch den GL oder die SeeBG hält eine solche Installation nicht stand.

Durch die lange Standzeit hatte sich Dreck in den Tanks abgesetzt, den wir nach Ausfall der Maschine in der Dieselförderpumpe wiederfanden. Durch einen billigen Vorfilter hätte die Reparatur vermieden werden können. Ein Absperrhahn hätte die bei der Reparatur entstandene Sauerei einfach verhindert.

Daher zwei Tips:
1. Beim Bootskauf grundsätzlich auf alle nachträglichen Installationen / Modifikationen achten. Wurden diese nicht von einer Fachfirma durchgeführt (Rechnungen, Belege), dann diese vom Fachmann prüfen lassen oder sich gleich darauf einstellen, dass man an diesen Stellen nachbessern muss.
2. Ein Bootsmotor braucht keine Dieselförderpumpe, wenn der Tank über der Maschine steht. Das kann im Notfall ein Reservekanister sein, den man behelfsmäßig über der Maschine anbringt. Eine defekte oder vsertopfte Pumpe kann man dann überbrücken. Die Einspritzpumpe zieht dann auch so genug Sprit.


An Deck / Ausrüstung
Leinen, die an Deck / in Backskisten überwintern, sind hart, grau und irgendwann auch mit Moos bewachsen. Besser: einmal bei 30 Grad ohne Weichspüler durchwaschen und über Winter im Keller lagern - sieht viel besser aus. Instrumente sollten funktionieren. In meinem Fall war Ersatz für alte kaputte Geräte vorhanden. Aber nicht jeder Kunde kann/will diese selber einbauen. Die Verlegung neuer Kabel lang durchs Schiff ist eine zeit- und nervenraubende Angelegenheit, bei der man auch die letzten Winkel seines Schiffs kennenlernt. Die serienmäßigen Stahlruder hatte der Vorbesitzer durch leichte GFK-Ruder ersetzt. Die Preßpassung des Ruderschafts mit der Pinne mutierte beim ersten Starkwindritt bei Beaufort sieben mit zwölf Knoten am Wind leider zur Wurfpassung. Danach haben wir steuern/trimmen mit Segeln geübt. Das klappt ganz gut: Mit viel Groß und wenig Fock einen Schrick in die Schoten zum Anlauf nehmen, dann zügig die Großschot dicht, den Traveller nach Luv und das Boot wendet. Anschließend Krantermin und Ruderanlage reparieren - gefährlich, ärgerlich und teuer.

Der Vorbesitzer hatte einen Autopilot/Pinnensteuerung mit 6mm-Schrauben montiert. Diese sind bei einem Raumschotsritt bei Beaufort sieben beim Überschreiten der 18-Knoten-Marke abgeschoren. Die Installationsanleitung des Herstellers sieht 8mm-Bolzen (nicht Schrauben) vor - offenbar nicht ohne Grund...

Die Sicherheitsausrüstung sowie die vorhandenen Seekarten und ­Handbücher waren komplett veraltet und nicht mehr gebrauchstauglich. Diese Dinge zu horten, lohnt nicht. Besser gleich entsorgen. Muß die Sicherheitsausrüstung komplett neu beschafft werden, so können hierfür Kosten in einer Größenpordnung von ca EUR 5.000,- (zzgl. Kosten für eine Rettungsinsel) kalkuliert werden.

An Bord befanden sich insgesamt drei Kof- ferraumladungen von Dingen, die von Bord geschafft werden konnten / mußten. Der Eindruck bei einer Bootsbesichtigung ist besser, wenn diese Dinge schon entfernt sind. Liegen Papiere, Schaumwesten usw. über Winter an Bord, ziehen sie Feuchtigkeit, schimmeln und das ganze Boot mufft.

Ersatzteile für alte Ausrüstungsgegenstände sind nicht ohne weiteres zu bekommen und verschlingen schnell Unsummen (zB EUR99,- für einen Lavac-Klodeckel, der nicht ohne Basteleien auf die alte Schüssel passt). Im Zweifel gleich das ganze Gerät durch Neuteile ersetzen. Ist der Einbau einer Fäkalientankanlage notwendig, wird es richtig teuer. Für einen Privatmann, der alleine in seiner Freizeit vor einer solchen Renovierungsaufgabe steht, ist damit sicher auf Jahre beschäftigt. Auch wenn ein solches Boot auch ohne Durchführung dieser Arbeiten prinzipiell erstmal segelt, richtig seetüchtig ist es nicht. Im Zweifel begibt man sich in Lebensgefahr. Ich empfehle daher immer, die Unterstützung eines Gebrauchtboothändlers und auch den aufpreispflichtigen Service eines Gutachters in Anspruch zu nehmen, um wenigstens Klarheit darüber zu haben, welche Kosten und Arbeiten vor einem stehen.

In meinem Fall waren alle diese Kleinigkeiten bekannt und sind vom Vorbesitzer nicht verschwiegen worden. Ich war darauf eingestellt, in großem Stil und mit professioneller Unterstützung Hand anlegen zu müssen. Die o.a. Instandsetzungen haben ca. 8 Arbeitswochen Zeit und ca. EUR 12.000,- gekostet. Das jetzt komplett neuwertige Boot repräsentiert inzwischen einen Wert von fast EUR 60.000,-. Dieser dürfte jedoch bei einem Wiederverkauf nur schwer am Markt durchzusetzen sein. Ich hoffe jedoch, zu gegebener Zeit einen Kunden zu finden, der die von mir geschaffenen ,,inneren Werte" honoriert.


Wer an einer Mitfahrt oder dem Kauf eines vom Entwurf her etwas aelteren, troetzdem eleganten und technisch und optisch neuwertigen, sportlich segelnden Edel 33-Kat interessiert ist, der wende sich gerne an mich. Das Boot liegt charterklar in Wismar und wird am Ende dieser oder der nächsten Segelsaison wieder zum Verkauf stehen.


Tel.: +49 177 492 4 999, hgoettehh(at)gmx.net

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