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Riga -IMM 2005

Riga - IMM 2005
Wolfgang Koch

Nach einigen Tagen in Berlin treffen wir, Ursel und Wolfgang, bereits am Dienstag vor dem IMM am Flughafen von Riga ein und sind gleich überrascht, wie freundlich und modern hier alles gestaltet ist. Ein netter Taxifahrer bringt uns direkt zum Hotel und das für erfreuliche LATS 4,50, was ungefähr Euro 6,75 entspricht. Über DER-Tour haben wir ein einfaches aber sauberes Hotel gemietet. Da wir sehr früh abgeflogen und damit früh angekommen sind, ist unser Zimmer noch nicht bezugsbereit. Wir lagern also unser Gepäck und gehen zu Fuß Richtung Innenstadt. Hier in den Randbezirken ist der vergangene Sozialismus und die schlechte Bausubstanz immer noch sichtbar. In der Innenstadt dagegen sind die meisten Gebäude bereits saniert und es wird nach wie vor viel gebaut. Über eine große Brücke über den Fluss Daugava näheren wir uns der Altstadt. Es ist ein strammer Marsch von etwa 30 Minuten. Gleich nach der Brücke finden wir ein Restaurant mit einer lauschigen Gartenterrasse unter alten Bäumen. Bei strahlendem Sonnenschein essen wir eine Kleinigkeit zu Mittag und sind über das erträgliche Preisgefüge angenehm erstaunt. Die nächsten 2 Tage machen wir Ferien, erforschen die Altstadt Rigas, nutzen öffentliche Verkehrsmittel und besichtigen u.a. das ethnische Freiluftmuseum Lettlands, wo man sich originalgetreu restaurierte Hütten, Kirchen und Gehöfte ansehen kann und mehr darüber erfährt, wie die Menschen hier sehr viel früher gelebt haben. Eines ist sicher, die Menschen müssen deutlich kleiner als wir heute gewesen sein.

Am Mittwochabend dann unser erster Besuch im Hafen. Es sind bereits viele Boote da und alle haben Spaß an der guten Organisation der Letten. Der erste, der mir direkt in die Arme läuft, ist mein lieber Freund Erik Ewertz, der gerade erst eingelaufen ist. Mit seinem Trimaran ,,Trixi" ist er Einhand von Wolgast über Schweden hierher gesegelt. Wolfgang Sorg ist mittlerweile ebenfalls eingetroffen und wohnt im selben Hotel, wie wir. Er wartet auf Matze Schlecht mit seinem Farrier Trimaran, mit dem er dann den Törn zurück segeln will. Nach einer kurzen Begrüßung gehen wir mit Erik und Wolfgang in die Altstadt, bummeln und essen zu Abend. Die vielen Straßencafes vermitteln ein mediterranes Flair.
Am nächsten Vormittag besuchen wir die Markthallen hinter dem Hauptbahnhof. Von Mangelwirtschaft kann keine Rede sein. Die Stände quellen über von Gemüse, Früchten, Fisch und Fleisch. Man könnte auch irgendwo im Mittelmeerraum sein.
Danach fahren wir mit der Bahn zum Seebad Jurmela. Im Bahn-, Straßenbahn- und Busverkehr findet man schon noch die alten sozialistischen Strukturen. Nicht nur ist es für unsere Verhältnisse sehr billig, sondern es gibt auch in jeder Straßenbahn einen Schaffner bzw. eigentlich wesentlich mehr Schaffnerinnen und auch Fahrerrinnen. Jurmela war früher das mondäne Seebad von Rügen. Der alte Glanz hat Patina angesetzt, ist aber noch gut zu erkennen und wird nun wieder restauriert. Die Preise für Häuser und Grundstücke sind bereits explodiert und stehen dem Starnberger See kaum nach. Am Strand herrscht reger Betrieb, auch wenn uns Südländern der Sinn mehr nach Pullover steht. Weitläufiger Sandstrand, flach abfallend ins Wasser, wie man das an der flachen Ostsee häufig findet.
Nach einem ausgiebigen Spaziergang und einem Imbiss im Garten eines Restaurants fahren wir zurück. Den Abend verbringen wir erneut im Kreise der Segler in der Innenstadt.

Heute am Freitag beginnt das offizielle Programm. Leider verlässt uns der morgendliche Sonnenschein immer wieder und zeitweise regnet es heftig. Immer mehr Boote treffen ein. Man trifft sich reihum auf den Booten und klönt. So langsam laufen auch die Nachzügler ein oder die Boote, deren Crews mit widrigen Winden zu kämpfen hatten. Sogar das Ehepaar Filgis findet nach Riga. Am Nachmittag gibt es einen Dinghy-Paddel Wettbewerb. Es wird hart gekämpft und der Humor kommt nicht zu kurz, obwohl der eine oder andere im Hafenbecken landet. Abends wird gegrillt. Die Tische biegen sich unter dem üppigen Angebot und auch Bier und Wein fließen in Strömen.

Am nächsten Morgen fällt das Aufstehen etwas schwer. Dennoch bin ich pünktlich im Hafen, um meinen gestern verabredeten Platz an Bord der ,,Kaimiloa" einzunehmen. Justus Bronner, der Eigner und Skipper, legt ab und überlässt dann mir das Ruder. Dies ist mein erster Segeltag 2005 und nachdem die Crew nun doch bereits einige Tage an Bord ist, drängt es keinen ans Steuer. Auch Laine, die federführend die Organisation geleitet hat, kommt zu uns an Bord. Wir machen ein paar Schläge vor der Hafeneinfahrt im Fluss und dann ziehen wir im Pulk Richtung Ostsee. Als wir diese erreichen, legt der Wind deutlich zu. Gegen Mittag wird die Regatta gestartet. Nun zeigt sich, dass ich das Schiff eben doch noch nicht so gut kenne und, da sie nicht ganz so schnell anspringt, wie ich erwartet hatte, verschlafen wir den Start etwas und gehen wohl als 4. oder 5. Schiff über die Linie. In den nächsten Stunden kämpfen wir mit zunehmendem Wind, in Böen bis zu 35 Knoten, sodass wir dann auch reffen müssen. Ab und zu zieht ein Schauer durch, aber das kann mir den Spaß am Segeln heute nicht nehmen. Der jüngste der lettischen Katamarane zieht von Anfang an uneinholbar davon. Erwartungsgemäß liefern wir uns einige Gefechte mit den Marams. Diese segeln wirklich erstaunlich gut und was mich noch mehr erstaunt, ist eine BlueII, die ebenfalls wacker mithält und uns nach einer missglückten Wende eine Zeitlang das Heck zeigt. Aber dank der engagierten Crew, des perfekten Navigators Peter Jurkat und vielleicht auch ein wenig, weil ich mög- lichst kurze Wege gesteuert habe, kämpfen wir uns recht ordentlich voran.
Nach Passieren der Ziellinie segeln wir direkt in den Fluss zurück und kreuzen unserem temporären Domizil entgegen. Diese Marams laufen hier einfach die bessere Höhe. Kurz vor dem Hafen werfen wir die Motoren an und, nachdem ich nun schon die ganze Zeit ununterbrochen am Ruder stand, werde ich das ,,Mädchen" auch nach hause bringen. Ich habe das Gefühl fürs Schiff noch nicht verloren und mit 1 bis 2 kleinen Korrekturen parken wir exakt und trotz des auflandigen Winds sanft ein. Bin ich nun wirklich 8 Stunden am Ruder gestanden ? Langsam weicht die Anspannung und dann spüre ich es auch. Aber was für ein herrlicher Tag.....
Leider gab es auch Bruch. Ein kleiner Dragonfly hat seinen Mast verloren. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Nach einigen Gesprächen mit den Delegierten der anderen Vereine kommen wir zum Abendprogramm. Nun haben die Letten wirklich geklotzt. Das kalt-warme Büffett wird von den Security Leuten bis zum Einlass bewacht, damit keiner die Pracht zu früh zerstört. Man kann gar nicht aufzählen, was es alles gibt. Manche schleppen Berge an Essen davon und immer noch entstehen kaum Lücken. Dazu gibt es ordentlichen Wein und natürlich Bier für die Nordlichter. Zwischenzeitlich richtet sich die Band ein und schon sind wir mitten im Abendprogramm.
Zunächst gibt es die Siegerehrung. Als der 3. Platz bei den Katamaranen an ein anderes Boot fällt, die ,,Twice as Nice" aus Schweden, auf. Vielen Dank, Justus, Peter, Laine und alle anderen. Wer hätte das gedacht !!!
Natürlich geht der erste Platz an den extrem schnellen Letten ,,Wiki". Die Platzierungen bei den Trimaranen sind
1. Trou Noir, Finnland
2. Jolly Roger, Deutschland
3. Wildepferde, Deutschland
4. Maseratri, Deutschland
Die kompletten Resultate gibt es in der Tabelle zum Schluß. Des weiteren füge ich die Teilnehmerliste an. Bitte entschuldigt, wenn ich hier nicht alle erwähne, aber dies soll ein kurzer, unterhaltsamer Bericht und keine vollständige Chronik des Geschehens sein.
Nach der Siegerehrung müssen wir den Helge-Ingeberg-Preis neu vergeben, da er als Wanderpokal immer weitergereicht wird. In einer Kooperation zwischen allen anwesenden Vertretern der einzelnen Vereine wird das Grußwort von Nico Boon verlesen, dem der Preis in Wismar zugesprochen worden war. Danach wird der Preis an die Finnen überreicht, die darüber gleichzeitig überrascht und hoch erfreut sind.

Anschließend wird den Letten die Entscheidung der IMM Ausrichter bekannt gegeben, ab sofort zum regulären Zirkel dazuzugehören. Auch diese Ankündigung wird mit großem Beifall aufgenommen. Alle Ansprachen werden von einer lettischen Dolmetscherin übersetzt, um wirklich alle Anwesenden mit einzubinden. Weiter geben wir bekannt, dass das IMM 2007 in Norwegen stattfinden wird.
Und dann geben wir endlich die Bühne frei für Musik und Tanz.
Es wird bis in die frühen Morgenstunden ge- tanzt und gefeiert.
Leider muss ich bereits am nächsten Morgen zurück nach Berlin fliegen, was mir mit etwas Übergepäck im Kopf dann auch gelingt........
Riga, Lettland, vielen Dank. Es war wunderschön und perfekt organisiert. Wir kommen wieder !!

Teilnehmerliste IMM 2005

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