Segeln mit dem Parasailor2
Fahrbericht von Maarten Bakker in CTC NIEUWS; übersetzt von Rob Barneveld
Während der „Runde vom IJsselmeer“ segelt FredJan Twight auf seiner Frya mit einem besonderen Segel. Der Parasailor, eine Kombination aus einem Spinnaker und einem Kite (Drachen).
Es wird eine raue Segelrunde mit Windgeschwindigkeiten von 25-40 Knoten übers Deck.
Der kleine Spinnaker schlägt sich aber tapfer mit seiner kleinen Oberfläche von nur 65qm. Er bringt das Schiff von 4 Tonnen auf Geschwindigkeiten von 14-16 Knoten. Eine
Impression:
Am Start weht es SW 6 und ab und zu Richtung
7, aber auch unter diesen Umständen
hält das Segel stand und die Frya segelt die
ersten 30 Meilen (Medemblik-Enkhuizen-Stavoren-
Makkum) in nur 2 Stunden. Später am
Tag, als am Wind gesegelt wird von Makkum-
Den Oever-Medemblik, erreicht der Wind
Geschwindigkeiten zwischen 40-45 Knoten.
Auch hier hält das Segel stand und lässt sich
gut bedienen.
Keine Schläge
Bei raumen Kursen erreicht die Frya Geschwindigkeiten
von rund 14 Knoten. Das
Schiff kann mit den leichteren und schnelleren
Tri’s mithalten. Auch die Makwadu, ohne
Spinnaker und mit einem Reff im Großsegel,
segelt eine längere Zeit mit uns mit. Die besonderen
Eigenschaften des Segels erkennt
man sofort. Trotz des anscheinend höheren
Windwinkels, den das Segel verlangt, auf
Kursen, wo ein normaler Spinnaker luvseitig
einklappt, bleibt der Parasailor stramm stehen.
Auch wenn dieser besondere Spinnaker
den Wind verliert, bleibt er einfach stehen
und fällt nicht ein. Nur der Kopf wird weniger
voll. Das Schiff verliert an Geschwindigkeit
und sobald der Parasailor wieder Wind fängt,
wird das Segel ohne Schläge und Stöße sofort
wieder gefüllt. Auch das Tauwerk wird
anscheinend weniger belastet. Und das bei
Windstärke 7!
Zugpferd
Das stabile Verhalten des Segels beruht einer
Art Flügel und einer Öffnung im Segel. Der
Flügel verleiht dem Segel eine stabile Struktur.
Eine Art von Rückgrat, wobei das Segel
auch bei halbem Wind stehen bleibt. Das
Ausbleiben von den Schlägen und Stößen
wird durch die Öffnung im Segel ‚gesteuert’,
es fungiert wie ein Ventil. Auch zuviel Wind
kann durch diese Öffnung abfließen, während
dessen die Kanten des Segels besser stehen.
Der extra Flügel in der Mitte des Segels fungiert
wie ein Zugpferd, wobei die Luftströmung
den Flügel mit Wind füllt, wird das
Schiff aus dem Wasser nach vorne gehoben.
Der Flügel hält das Segel aber auch in Position.
Segelspaß
Das Segel ist Segelspaß pur. Es lässt sich vor
allem auf Mehrrumfbooten gut bedienen, da
man hier am meisten Platz hat für die Befestigung
von 2 Schoten pro Seite. Während der
ganzen (fast) Fahrt, erreichen wir mit dem
Segel Geschwindigkeiten von 14 bis 17 Knoten.
Während der ganzen Fahrt ist das Segel
nicht eingefallen und es erschien uns, als sei
dieses Segel für dieses Schiff erschaffen worden.
Vielleicht lag es auch ein wenig an den
Steuermann-Künsten von Fred Jan Twight.
Kurz zusammengefasst: Der Parasailor ist ein
Super Segel für raume Kurse zwischen 70˚
und 180˚ scheinbarem Wind. Der Preis ist
relativ hoch, aber so ist es doch immer bei
Sachen, die Spaß machen.
Aerodynamik des Segels
Der Flügel
Der größte und weithin sichtbare Unterschied zu einem konventionellen Spinnaker ist beim
ISTEC parasailor2 der mittels Staudruck gefüllte Flügel.
Der Flügel erfüllt im Wesentlichen zwei Aufgaben.
1. Bei der Umströmung der Tragfläche entsteht ein nach oben gerichteter Auftrieb. Aufgrund
des erhöhten Anstellwinkels resultiert daraus eine nach oben und vorne gerichtete Gesamtkraft.
Da der erzeugte Auf- und Vortrieb wesentlich höher ist als der Verlust an Fläche, der zwangsläufig
durch die Öffnung entsteht, wird ein Verlust von Vortrieb ausgeschlossen.
2. Die mit Luft gefüllte Tragfläche versteift den Spinnaker ganz erheblich in horizontaler Richtung.
Die Seitenlieken werden aktiv am Einfallen gehindert. Sollte es trotzdem (z.B. durch eine
Winddrehung) einmal dazu kommen, entfällt der spinnaker-typische Öffnungsschlag. Durch
eine komplexe Anordnung von Luftausgleichsöffnungen in der Tragfläche (sog. „cross-ports“)
wird Luft von offenen Teilen zu kollabierten Bereichen geleitet und damit ein sanftes Wiederöffnen
ermöglicht.
Die Öffnung
Ein weiteres wichtiges Merkmal unseres Segel ist die Öffnung. Sie sorgt einerseits für die Umströmung
der Tragfläche und andererseits fungiert sie als Überdruckventil. Einfallende Böen
werden durch sie abgeleitet und treffen auf den Flügel. Durch die erhöhte Strömungssituation
wird augenblicklich mehr Auftrieb erzeugt. Dies sorgt für eine deutliche Entlastung des Bugs,
ebenso werden Roll- und Stampfbewegungen markant verringert. Weiter erhöht sich durch diese
einzigartige Anordnung der Windeinsatzbereich. Der parasailor2 deckt somit einen wesentlich
höheren Windbereich als andere auf dem Markt befindliche Spinnaker ab.
(Anm. d. Red.: Die Infos dieser Seite stammen von [href://www.istec.ag www.istec.ag] und aus dem Prospekt zum Parasailor2)

