Texel Rating
Nico Boon; übersetzt von Rob Barneveld
In den Niederlanden sagt man ‚Tessel’, wenn man nicht von dort kommt. In 2005 entschied die Rating Kommission von offenen Cats, Geert Ruesing und ich (Nico Boon), dass die relativ geringe Stabilität der schmalen offenen Cats mit großen Segeln berücksichtigt werden soll. Dies wurde durchgeführt. Dies verlangte die Berechnung der Stabilität und das Bestimmen der Windstärke, wobei die Stabilität geringer wird als die Kraft die erforderlich ist, wobei das Boot kentern wird. Diese Grenze ist erreicht, wenn die neigende Kraft gleich ist der Kraft, die das Boot aufrecht hält.
Die Kräfte, die das Boot aufrecht halten, sind konstant. Diese sind die Masse des Catamarans multipliziert mit der Distanz zwischen den Mittellinien der Rümpfe. Bei Trimaranen ist es die Distanz zwischen den Schwimmern. Diese Distanz ist also die totale Breite des Bootes minus einer Breite eines Rumpfes oder Auslegers. Für die neigende Kraft muss die totale Oberfläche der Segel mit der Distanz des Druckpunktes im Segel (wenn der Wind hinein bläst) zur Wasserlinie (noch besser ist der Schwerpunkt des Schwerts/Kiels) kalkuliert werden. Natürlich müssen dabei Windstärke und der dazu gehörende Druck aufs Schiff berücksichtigt werden.
Variabler Wert ist dabei die echte Windstärke, bzw. Windgeschwindigkeit in Vt. Der Druck, der dadurch entsteht, wird mit folgender Formel errechnet: p= c * Vt2. Konstante c ist dabei 0,07, wenn die Windgeschwindigkeit in m/sec berechnet wird. Gert Ruesink sagte mir, dass nicht mit der echten Windgeschwindigkeit gerechnet werden muss, sondern mit der ‚scheinbaren’ (=Velocity apparent; Va). Das ist der Wind, den das Boot empfindet. Wenn weiter gerechnet wird, wird deutlich, dass dieser Wind berücksichtigt wird, wenn ein Mehrrümpfer am Wind segelt. In dieser Situation ist die Stabilität am Wichtigsten.
Bevor weiter gerechnet werden kann, müssen wir herausfinden, wie wir aus Vt2 einen Va2 Wert errechnen können; Va2= Vt2 * 2,4. Diese Zahl 2,4 steht für Catamarane, die sehr schnell sind. Die schnellsten Cats haben einen TR von 87 bis 105. Für größere Multihulls ist die Relation zum TR-Wert attraktiv, da hier anstatt 2,4 einWert errechnet wird anhand folgender Formel: (4,4 – 0,02 * TR), Stand August 2007. Davor wurde mit 4,2 anstatt 4,4 gerechnet. Die bereits erwähnte Konstante für offene Cats ist der TR-Wert 100. Früher war dies 90. Der Dynamic-Factor ist also gestiegen. Die Windgeschwindigkeit, wobei der bereits erwähnte Grenzwert erreicht wird, ist also niedriger geworden. Natürlich sind diese Werte Annäherungen. Der Stabilitäts-Faktor hat Einfluss auf die Berechnung des TR-Wertes für offene Cats, nämlich, wenn die neigende Kraft größer ist als die Kraft, die das Boot aufrecht hält. Für große Multihulls sind diese Werte informativ, haben aber keinen Einfuß auf den TR-Wert. Mit der Tabelle kann experimentiert werden, wie groß das Segel sein darf, bzw. wie die Masse gesenkt werden kann, damit bestimmt werden kann, bei welcher (wahren) Windgeschwindigkeit gerefft werden soll. Die Devise lautet ‚Reven om je leven’ was soviel bedeutet wie, dass gerefft wird bevor das Boot kentert. Es gibt aber nicht so viele Boote, die umschlugen, außer wenn mit zuviel Segel gefahren wurde. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Eclipse von Richard Woods.
Wenn man nicht herausfinden will, wo die Grenze überschritten wird, lernt man auch nicht, wo man aufhören soll. Always make new mistakes, mach immer neue Fehler, ist mein Motto(Esther Dyson in „Release 2.1. A design for living in the digital age“).

