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Wir segeln wieder! IMAGINE in Aruba

Albert Stöcker, Aruba

Nach dem Verlust unseres kpompletten Riggs im Juli letzten Jahres sind wir endlich wieder unterwegs. Anfang Januar verließen wir Trinidad mit Ziel Margarita.

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Nachdem kurz vor Weihnachten erst wieder eine Yacht auf dem Weg nach Grenada von venezolanischen Piraten gekapert und total ausgeräumt wurde, fuhren wir in der Nacht und ohne Licht und erreichten wohlbehalten am nächsten Tag die Testigos. Die kleine Inselgruppe NElich von Margarita hat eine Coastguard-Station, die 2-3 Tage Aufenthalt gewährt, ohne offizielle Einklarierung in Venezuela. Dort hatten konnten wir endlich mal wieder in klarem Wasser ankern nicht weit hinter einem Korallenriff. Jutta war begeistert von den vielen bunten Fischen und wäre gerne länger geblieben.

Auf den 50 nm nach Margarita mußte ein Motor mitlaufen, da der Wind schwächelte. Ein paar Tage später hörten wir, daß um diese Zeit auf dieser Strecke wieder eine Yacht überfallen wurde – Glück gehabt. Viele Segler machen inzwischen um Venezuela einen großen Bogen.

Ich habe seit langem alle Berichte über Überfälle verfolgt und Konsequenzen gezogen. Wir meiden die gefährlichsten Ecken, fahren lieber einen Umweg oder bei Nacht. Das Thema Waffen an Bord spaltet die Fahrtenseglergemeinde in zwei Lager mit jeweils überzeugenden Argumenten. Nachdem wir in Brasilien überfallen und ausgeraubt wurden, allerdings an Land, sind wir entschlossen uns zu wehren. Die Piraten gehen von leichter Beute aus. Es gab auch Fälle, wo sie gleich das Feuer eröffnen. In allen mir bekannten Fällen zogen sie sich aber zurück, wenn sie auf Gegenwehr stießen. Sie sind in ihren offenen Booten im Nachteil, sie dürfen nur nicht zu nahe kommen. Hauptproplem ist die restriktive Handhabung der örtlichen Behörden mit Waffen an Bord. In der Regel müssen sie abgegeben werden. Im letzten Jahr gab es eine Reihe von Übergriffen von Grenada über St. Vincent bis zu Dominika auf Boote vor Anker, evtl. deklarierte Waffen sind dann in sicherer Obhut beim Zoll.

Ein Ausweg ist, die Signalpistole mit einem Einsatz für scharfe Munition zu versehen, hilf Dir selbst sonst hilft Dir keiner! Unser Schiff wurde schon dreimal von Zoll oder Coastguard durchsucht, eine Waffe zu verstecken wäre mir zu heikel.

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Zurück nach Trinidad. Fast ein halbes Jahr dauerte die Umbauaktion, Vieles mußte geändert werden, u.a. neue Püttinge eingebaut, alle Terminals erneuert, das kpl. laufende Gut neu gekauft und die Segel nachgenäht bzw. geändert werden. Die Segelfläche ist deutlich kleiner, dafür können wir das Großsegel jetzt von Hand hochziehen. Gerefft habe ich seither nie mehr und wir segeln immer noch öfters im zweistelligen Bereich. Die häufigen Squalls in der Karibik mit oft unberechenbar schnell einsetzendem Starkwind bis 40 kn führten dazu, daß ich meist ein oder zwei, manchmal auch drei Reffs eingebunden hatte, jetzt segle ich entspannter. Geschwindigkeit ist auf Langfahrt ein nachrangiges Thema, ist meine Meinung. Und alles was ich hier schreibe ist rein subjektiv, es gibt keine objektive Berichterstattung.Was habe ich nicht in Jahrzehnten alles über Langfahrtsegeln gelesen und denke jetzt beim eigenen Erleben vor Ort, das darf doch alles gar nicht wahr sein. Natürlich wollen Bücherschreiber in erster Linie hohe Auflagen erzielen und dann kommt sowieso immer alles anders als man denkt. Dazu kommt die selektive Rezeption und Erinnerung, die vieles verklärt.

Und wenn mir einer was erzählt wie toll oder wie schlimm er einen Ankerplatz erlebt hat, was weiß ich in welcher Stimmung er gerade war, wie ist sein Erfahrungshintergrund, wie ist seine subjektive Weltsicht etc. pp.? Selbst anschauen und sich ein Bild machen ist immer noch der beste Weg. Nicht immer kann man zwar gleich wieder den Anker lichten, wenn es einem nicht gefällt, doch wir haben ja Zeit. Mit der Wahl unseres Bootes sind wir inzwischen auch zufrieden, es hat gedauert. Die Entscheidung fiel vor 10 Jahren mit dem Kauf des Bauplans, damit waren die Dimensionen bestimmt und die Größe von 14 m ließ uns nicht nur während der Bauzeit oft fast verzweifeln.

Doch in der Planungsphase standen im Vordergrund Seetüchtigkeit und Schönheit, damit bin ich zufrieden und würde auch heute nichts Wesentliches ändern. Doch selbst bauen würde ich nicht mehr. Das mit der Handhabung war nur ein Anfangsproblem, problematischer waren die hohen Liegeplatzpreise in Europa, deshalb war das Mittelmeer auch tabu. Auf Sardinien hätte meine Rente gerade mal für drei bis vier Hafentage gereicht, doch auch von England über Portugal bis auf die Kanaren lagen die Tagespreise zwischen 40–70 Eur. Unser letzter Liegeplatz am Steg war in Brasilien und der kostete 10. Eur pro Tag, das war 2008.

Alle unsere Segelfreunde mit Einrumpfschiffen müssen vor dem Ablegen alles sorgfältig verstauen und staunen immer wieder, wenn wir Vieles in offenen Regalen liegen haben. Zur Gewichtsersparnis habe ich auch keine Türen sondern Stoffrollos vor den Schränken angebracht, hat sich gut bewährt.

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Außer im Karibikbogen von Trinidad nach Antigua und zurück, wo Amwindsegeln angesagt war, hatten wir fast nur Raumschotkurse mit angenehmen Bootsbewegungen. Jutta konnte jeden Tag warm kochen und dank 520 Watt Solarfläche gab es reichlich Strom für den Autopiloten, Kühlschrank und Beleuchtung. Auch seit wir den EchoTec-watermaker mit 38Ah Verbrauch eingebaut haben, läuft der Motor nur beim Betrieb der Waschmaschine. Doch den Großteil unserer Reisezeit liegen wir vor Anker (25 kg Kobraanker,Bootsgewicht 9 t beladen) und da spielt unser Kat seine Vorteile weiter aus. Kurz gesagt, wir können uns bewegen, leben nicht im Keller, doch das wißt Ihr ja alles selbst.

Die Kulisse von Porlamar auf Margarita ist nicht so berauschend mit vielen Hochhäusern und Hotels. Doch in der Stadt herrscht südamerikanisches Flair, laut und bunt mit vielen Verkaufsständen auf den Straßen. Wir waren ja die Nachzügler, so konnten wir von den Erfahrungen unserer Freunde profitieren, die uns per mail berichtet hatten was wo zu finden ist, Zoll und Immigration, Supermarkt und hier speziell einige Läden, wo man US$ zum günstigen Schwarzmarktkurs in Bolivar tauschen konnte. Das ist zwar streng verboten, doch im Supermarkt konnte man mit US$ bezahlen, die einem zum Schwarzmarktkurs umgerechnet wurden. Für zwei Wochen segelten wir zu der unbewohnten Insel Blanquilla, denn danach erwarteten wir Besuch von zwei Freunden aus Deutschland. So konnten wir nochmal ausgiebeig faulenzen, schwimmen und schnorcheln im klaren Wasser, die größten Fische bestaunen die wir bis dahin zu Gesicht bekommen hatten und von den Fischern fast täglich gegen Rum und Zigaretten (Rum ab 1,2 €, Zigaretten 1 €) reichlich frischen Fisch eintauschen. Natürlich gab es auch am Schiff wieder genug zu tun, das gehört eben dazu.

Mit unseren Besuchern segelten wir von Porlamar über die Los Roques und Los Aves zu den ABC-Inseln, denn nach 2 Wochen ging deren Rückflug von Aruba ab. Gegenüber unserem bisherigen Reisetempo war das eine gewaltige Umstellung, zwei Wochen liegen wir meist erstmal zum Eingewöhnen, wenn wir irgendwo ankommen. So mußten wir im Schnelldurchgang diese herrlichen Koralleninseln mit ihrer tollen Unterwasserlandschaft und vielfältigen Vogelwelt auf den Aves absolvieren und landeten dann zuerst auf Bonaire direkt vor der Ortschaft Kralendijk, neben zwei Kreuzfahrtschiffen. Die Erfahrungen auf den ABC-Inseln kann man eigentlich zusammenfassen: Fest in holländischer Hand und strikt auf die Touristenströme ausgerichtet, die täglich zu Tausenden aus der Luft oder von Bord der Kreuzfahrtschiffe einfallen. Gerade auf Curacao liegt man mit dem Schiff vor Anker in Spaanse Water, einer großen geschützten Bucht, etwas außen vor. Am schlimmsten fanden wir den Ankerplatz vor Oranjestad auf Aruba direkt neben dem Flughafen. Die Stadt selbst ein einziger Konsumtempel mit kitschigbunten Bauwerken im Zuckerbäckerstil gefüllt mit teuren Boutiquen, Uhren, Juwelen Designerklamotten – brauchen wir das? Nein! Also erledigen wir unsere Einkäufe, LM, Gas, Diesel, und dann nix wie weg.

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Habe in meiner Gastlandflaggensammlung noch die Flaggen von Jamaika und DomRep gefunden. Mal sehen wie dann der Wind draußen steht, vielleicht machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Hispaniola auf dem Weg nach Kuba, die Hurrikansaison wollen wir dann im Rio Dulce in Guatemala verbringen. Noch ein paar Erfahrungen mit der Ausrüstung. Silva Navigationsgeräte mit Lewmar Direct Drive Autopilot und der kleinste Standard Horizon Kartenplotter mit Weltkarte haben sich bewährt. Für die Küstennavigation habe ich Navichart auf dem Laptop, so gut oder schlecht wie die zugrundeliegenden Papierkarten, so z.B. auf den Roques nicht brauchbar. Das günstige MTech UKW Gerät ist ok.

Der große Plath Kompaß ist nach 2 Jahren ausgelaufen, auch der emaillierte Warmwasserbereiter von allpa rostete in dieser Zeit durch. Mein teurer Sony Weltempfänger SW77 empfängt jetzt gar nichts mehr. Er war einige Jahre nicht in Betrieb, was wohl den Kondensatoren nicht bekam. Das vorausschauende Interphase Echolot werde ich wohl bald über Bord werfen. Die Trojan 6 V deep cycle Batterien bewähren sich gut. Sterling Ladegerät, Inverter und LiMa- Batterieledegerät funktionieren gut. Die Isotherm Kompressorkühlanlage mit Danfoss BD 50 und Luftkühlung liefert bei hoher Einstellung sogar Eiswürfel im Kühlfach. Der EchoTec watermaker liefert nach einem Jahr anstatt 49 l/h nur noch 37 l/h, trotz täglichem Gebrauch und Frischwasserspülung.

Viele Grüße aus Aruba von Albert und Jutta

stoecker-imagine@gmx.de

P.S.: Als ich jetzt hier zu überlegen begann, was ich so schreiben könnte fiel mir ein, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass ich mit großem Interesse die Berichte von unserem Dr. Neuber aus der Südsee las, zuhause in der warmen Stube. Warm haben wir es hier ja immer, doch die Stube zerrt oft ganz schön am Anker, wenn es wie vor ein paar Tagen mit bis zu 30 kn bläst, es schaukelt und plätschert und pfeift und rüttelt. Nichts ist mehr so, wie es mal war, so langsam gewöhnen wir uns daran.

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